Und Ingeborg hat Tränen in den Augen, sieht sie die Sonne, und Tränen in den Augen, hört sie die Schwalben schreien.

„Ich bin ganz weich, wie ein Kind,“ sagt sie und eine Träne fällt auf ihre Hand. „Nie war mein Herz so voller Staunen und Dankbarkeit.“

Ich sitze bei ihr, plaudere oder schweige, je nachdem Ingeborg es wünscht. Schönere und leisere Stunden habe ich nicht erlebt als die Tage von Ingeborgs Genesung. Ich bin still vor Glück geworden und meine Brust ist immer voll von Tränen, ohne daß ich weinen könnte.

Ich und Karl sind bemüht, Ingeborg tausend Gefälligkeiten zu erweisen in einer Art, die wenig auffällt. Immerfort sind Ingeborgs Zimmer mit Blumen geschmückt und auf Teppichen weißer Rosen wandelt sie. Karl bringt von seinen Spaziergängen den ganzen Wald ins Haus, Sträuße von roten und schwarzen Beeren, die den Saft und den Wohlgeruch des Sommers bergen.

Ja, Karl ließ sich sogar dazu herbei, Ingeborg Stellen aus seinen Büchern vorzulesen, die sie besonders liebte. Seine ruhige Stimme, sein abgeklärtes Wesen wirken wohltuend auf Ingeborg, sie scheint kräftiger zu sein in Karls Nähe. Und wenn Karl lacht, so macht sie Miene herauszulachen und ihre Wangen bekommen Farbe.

„Hast du es gehört, Axel, heute sagte Herr Karl liebe Frau Ingeborg zu mir — haha! Er hat es noch nie gesagt.“

Ich räume die Mappen aus und bringe die herrlichsten Bilder zu Ingeborg, Bilder von denen man träumt, sieht man sie einmal, und lege sie vor ihr auf, wie ein Museum ist es. Oder ich spiele Klavier, alle Stücke die Ingeborg liebt, und durch die geöffneten Fenster dringt es wie eine warme liebkosende Welle, die sie badet wie die Sonne.

Müde ist Ingeborg vom Sehen. Sie schließt die Augen und legt den Kopf ins Kissen zurück und sagt „Erzähle Axel.“

„Wie war die Legende von dem erfrorenen Weinstock? Und die von den Liebenden auf dem Meere? Erzähle Axel, ersinne etwas.“

Ich blicke Ingeborg an und hundert Geschichten fallen mir ein. Und ich erzähle. Ich erzähle ihr die Geschichte von dem Priester mit dem silbernen Herzen, ich erzähle ihr die Geschichte von Karin, der um die halbe Erde wanderte um zu seinem Weibe zu kommen. Ich erzähle ihr die Geschichte von Hermann Ecke, dem Gutsherrn auf Entenweiher, den Eva verlassen hatte. Sie lebten glücklich, Eva und er, aber Eva ging von ihm zu einem andern. Warum? Niemand weiß es. Wird sie immer bei dem andern bleiben? Nein, sie wird wohl zurückkommen zu Hermann Ecke.