Ich lag viele Nächte und schlief nicht.
Ingeborg war noch nicht die alte.
Die Vögel sangen nicht mehr wie früher. Die Felder waren gemäht.
Ich lag viele Nächte und schlief nicht. Aber am Tage überfiel mich oft die Müdigkeit und ich mußte schlafen. Ich fuhr oft aus dem Schlafe empor, Träume marterten mich. Ich träumte immer wieder und wieder von jener Nacht, da ich um Ingeborgs Leben kämpfte. Schrecken jagten durch meine Seele. Es erhoben sich Fäuste und schlugen mich nieder — und ich erwachte.
Ich vernahm Stimmen, drohende Stimmen, ich vernahm ein Brausen und das Brausen sprach: Du hast es gewagt!
Hatte ich etwas Böses getan?
Ich sah schlecht aus, als ob ich krank wäre. Zuweilen hatte ich auch Fieber.
Wie war meine Seele? Wie das Tal war sie, Sonne und Wolkenschatten, jagende Wolkenschatten, ich freute mich über die Sonne, ich griff nach ihr, wollte sie bannen, ich war glücklich, ich dachte nicht an die Schatten. Nein, ich wollte nicht an sie denken.
Ingeborg liebte mich. Sie küßte mich tausendmal. Aber ihre Lippen küßten anders, es war ein anderer Kuß.