Ingeborg sang und plauderte. Es war Ingeborgs alte Stimme. Ich hörte einen Schritt über den Korridor eilen, es war Ingeborgs alter Schritt. Ingeborg ging über die Wiese, ich rief sie an, sie wandte sich um, es war Ingeborgs alte Bewegung.
Ich war glücklich, wie im Sommer, ja, aber doch überfiel es mich mitunter, eine leise grundlose Angst, ein Gefühl des Schwindels. Ich dachte, es käme noch von jener Nacht her — ich war nicht mehr so gesund wie zuvor. Dann ereignete sich etwas. Es war an einem Nachmittag.
Ich ging durch den Park, Karl und Ingeborg zu suchen. Sie wollten ein wenig rudern auf dem See. Karl war mit seiner Arbeit fertig, er war unermüdlich im Vergnügen wie in der Arbeit, es mußte immer etwas geschehen. Immerzu war er unterwegs, sein Lachen klang herzlich und laut. Das Kind, das im Dichter steckt, beherrschte ihn in diesen Tagen.
Ich ging durch den Park, ja. Ich war nicht fröhlich, ich wußte nicht weshalb. Aber ich entdeckte, daß der Herbst kommen wollte. Welke Blätter hingen da und dort, die Wipfel waren so dicht, daß man nur kleine, schimmernde, helle Sternchen des Himmels sah, die Bäume hatten alle Kraft entfaltet.
Ein süßer, schwerer, welker Geruch fiel aus den Wipfeln, es roch fast wie in einem Sterbehause. Und es sauste immerzu im Parke. Das war das Sausen des Herbstes, so leise, so müde, so gleichmäßig.
Ein Vogel pipste in seinem Neste. Er wetzte den Schnabel hin und her. Das gab einen leisen, rührenden Ton, es klang als sei der Vogel allein und verlassen im Parke. Der Herbst war im Blute des kleinen Vogels, er wußte nicht, wovon er singen sollte.
Ich kam an den See, Ingeborg und Karl waren nicht zu sehen, der Kahn lag trocken am Ufer. Ich bog in einen schmalen Pfad ein, der mit Moos überzogen war, und überlegte, wo die beiden wohl stecken möchten, da sah ich unerwartet Ingeborgs Gewand durch die dichten Gebüsche schimmern. Ich freute mich. Sie sitzen in der Grotte, dachte ich und beschleunigte meinen Schritt.
Im Park gab es eine Grotte, ein überhängender Fels, ein kleiner klarer Tümpel darunter, in den von Zeit zu Zeit, in gleichen Zwischenräumen ein Tropfen fiel. Der Tropfen rief im Wasser und in der Grotte ein feines Klingen hervor. Das war eine schöne, geheimnisvolle Musik, die man nicht hören konnte, ohne schwermütig zu werden und über die Rätsel der Welt nachzudenken.
Ich freute mich, dort würde ich sie treffen, diese zwei, die ich so sehr liebte. Weshalb schlug mein Herz so sehr?
Ich hörte Ingeborgs Stimme, die einige Worte sprach. Das war unsagbar schön, die Stimme der Geliebten durch die Stille des Parkes zu hören.