Ingeborg! Ingeborg! Jeden Tag gehst du weiter weg von mir, Ingeborg. Bald werde ich dich nimmer sehen. Jeden Tag klingt deine Stimme ferner, es wird ein Tag kommen, da werde ich dich nimmer hören können. Eine fremde Sprache wirst du sprechen.

Eine große Traurigkeit breitet sich in meinem Herzen aus und alles will sie verdunkeln. O, Ingeborg, Ingeborg!

Es treibt mich herum. Ich fasse einen Baum an und sage zu dem Baume: O, Ingeborg!

Hin und her wandere ich. Ich kann mich keinen Augenblick mehr niedersetzen. Ich zernage mir die Lippen. Der Schrecken lähmt mich zuweilen, so daß mein Herz stille steht. Mein Gesicht ist erstarrt, es ist ganz steif geworden. Ich habe das Gefühl, als müßte ich in die Knie brechen. — Zuweilen habe ich es —

Es zerbröckelt etwas. Es zerbröckelt unaufhörlich, ich fühle es, ich höre es, es zerbröckelt um mich, in mir —

Ich schlafe nicht mehr. Ich liege immer, immer wach. In meinem Kopfe jagt es. Gegen Morgen sinke ich vor Mattigkeit in den Schlaf. Ich träume, daß ich weine. Ich höre mich weinen, ich erwache, meine Augen sind trocken, aber es weint in mir. Ich bin erstaunt, ich erschrecke, es weint immerzu in mir.

Ich sehe nicht gut aus. Ich sehe gealtert aus. Ich fühle, wie Ingeborgs Blick auf meinem Gesichte ruht. Ich fühle, daß alle Worte sie reuen, die sie über mein Gesicht sagte. Ich fühle es.

Ich spreche mit Ingeborg. So gütig wie möglich suche ich zu sprechen.

„Erinnerst du dich, wie wir unter dem Apfelbaum saßen, er blühte?“

Ingeborg schweigt.