„Ein Rotkehlchen, Herr. Singen tut es nicht, nein.“

Sie habe einen Kanarier gehabt, er sei gestorben. Sie glaube, er sei aus Furcht vor der Katze gestorben. Wenn sie das gedacht hätte, wäre die Katze nicht ins Zimmer gekommen. Aber sie könne keinen leeren Käfig sehen, bis ein neuer Kanarier zu haben wäre, wolle sie das Rotkehlchen behalten.

„Höre,“ sage ich, „schenke mir das Rotkehlchen. Ich besorge dir einen Kanarier. Die sind es seit jeher gewöhnt, in Käfigen zu sitzen und singen auch.“

Schon recht.

Ich nehme den Käfig und gehe zu Ingeborg. Ingeborg sitzt am Fenster und blickt in den Sonnenuntergang hinaus. Sanft geht der Tag zu Ende, mit gleichmäßiger Röte im Westen und zitternden Wölkchen am hohen Himmel. Ganz wie ein Frühlingstag. Die Luft weht lau, klingende Rufe zittern aus dem Tale herauf.

„Sieh,“ sage ich.

„O!“ sagt Ingeborg.

„Ein Rotkehlchen gehört in den Wald, nicht in den Käfig, Ingeborg, denke.“

Ingeborg sieht mitleidig lächelnd und voller Liebe auf das Vögelchen, als blicke sie einem armen, weinenden Kinde in die Augen. Eine schöne rote Brust hat der Vogel, in die er den klugen Kopf drückt. Seine Augen sind schwarz wie Beeren und spähen ängstlich.

Ich will sprechen, aber ich kann es nicht.