Nun ist Ingeborg fort. —
Ich sehe einen Mann, der die Stufen zum Hause emporsteigt. Er steigt und steigt, wieviele Stufen sind es doch? Er blickt nicht zurück. Er steht vor der Türe, öffnet sie, sie ist schwer. Er blickt nicht zurück. Er verschwindet im Hause. Er steigt die Stiege empor, er geht den langen weißen Korridor entlang. Er bleibt stehen, die Augen fallen ihm zu.
Dieses ist ein Mann, der alles was er besaß, verlor. Er erblaßt. Es sind zwei Worte an eine weiße Türe gekritzelt. Er sieht über sein Zimmer. Es ist sein Zimmer. Da sieht er nun, sieht in sein Zimmer und wagt es nicht, es zu betreten. Er wagt es nicht, nein! Dieses Zimmer ist leer, leer.
Schreien, lachen, niederstürzen? Wie? Nein, nichts von alldem. Ein Zittern in den Händen, ein Beben der Knie, das ist alles. Verzweifelte Gebärden in mir, tief in mir. Wirre, jagende Bilder in meinem Kopfe, sie zerbrechen, andere kommen, zerbrochene. Sie zerbrechen.
Ich setze mich in einen Stuhl. Ich lächle.
Ich habe einen Geschmack auf den Lippen. Adieu, adieu. Ich nehme Abschied. Tautropfen, bittende Augen, eine nackte Hand. Eine Stimme.
Sie schwebt über mir wie Gesang. Ich verneige mich vor der Stimme. Ich lächle. Ich stehe auf dem Trittbrett und lege meinen Arm um Ingeborg.
Wie verzweifelt das Lächeln hin und her irrte auf ihrem Antlitze? Und ihre Augen, die segneten, segneten! Gelobet seist du in alle Ewigkeit, Ingeborg! Ich liebe dich.
Mein Herz krampft sich zusammen, es wird dunkel in meinem Kopfe. Ja, nun ist sie fort. Ich habe alles verloren, was ich besaß.