Aber ich wandte doch um und nahm ihn mit.
Vielleicht? Niemand kann es sagen.
Heilige Erde, heiliges Land, heiliger Wald! Ich kniete nieder und küßte den Boden des Waldes. Heiliges Land, hier wandelte ihr Fuß! heilige Bäume, an euch ging sie vorüber!
Und die Bäume, die der Herbst geschändet hatte, wiegten sich traurig hin und her und klagten leise. Sie trauerten mit mir und der ganze Wald flüsterte Ingeborgs Namen. Ich ging durch den Wald und lauschte. Es tat wohl, daß alles mit mir trauerte.
Ich erschrak, sah ich einen Stein, auf dem wir saßen, ich erschrak, sah ich einen Baum, den wir beide kannten. Ich freute mich, ich litt.
O hört, ich fand eine hohe, ernsthafte Edeltanne im Walde, worunter wir einst saßen, als es regnete. Ingeborg lugte aus dem Versteck hervor und haschte mit dem Munde nach Regentropfen. Ich liebe die kleinen Regentropfen, sagte sie. Und dann zählte sie alles auf, was sie liebte, während der Regen herabströmte und wir unter einem Wasserfall saßen.
Ich liebe die kleinen Regentropfen, Axel, ja. O, ich liebe Wind und Wetter, ich liebe Hagelschlag und Schnee, ich liebe die Sonne über alles, die Wolken, die Bäume und das Rauschen der Bäume, ich liebe über alles die Vöglein und ganz besonders die Johanniswürmchen, auch die Blitze, sie lachen mich ja an, und dich, dich, Axel, dich mehr als alles, alles, mehr als tausend Sonnen und mehr als alle Sternennächte und das wildeste Gewitter —
Ich ging vorüber an der Edeltanne und lächelte, aber ich mußte den Kopf zurückbeugen.
Es sang kein Vogel mehr im Walde, nein.
Ich ging bis an Graf Flüggens Schloß, sah das Tor mit den bemoosten Löwen, die die Wappen hinhielten, ich ging durch unser Birkenwäldchen, ich kam an unseren Apfelbaum. Kahl stand er. Braune, lederne Blätter baumelten an den Stielen. Im welken Grase lagen verfaulte Früchte.