Einst, im lichten Frühling, da schüttelte ich ihn und es fielen die Blüten über einen goldenen Scheitel — —

Ich ging auf die Höhe, wo die Bank stand. Das Tal lag da wie durch gelbes Glas gesehen. Welk und müde und leuchtend, wie das Antlitz eines Sterbenden, das ein eigentümliches Licht ausstrahlt. Die Wiesen waren braun und sumpfig, Herbstzeitlosen standen darauf. Die Gruben waren mit welkem Laube gefüllt, sie waren Gräber, der Sommer lag darin, Hoffnung und Freude des Sommers und sein Duft. Neben der Bank stand eine Distel, sie sah aus wie der graue Kopf eines alten, schmutzigen Weibes mit gesträubten Haaren. Die Felder waren gemäht. Die Stoppeln taten mir weh, es war mir, als ginge ich mit nackten Füßen über die Stoppelfelder. Ich dachte an den Frühling, da die Saat aufging, so jung so grün, sie kitzelte mein Herz, und dann, wie es wuchs und sie die grünen Fahnen aussteckte und schwenkte vor Freude. Dann kam die Zeit, da das Tal wie in einer großen Pfanne briet und jeder Punkt der Luft zu singen begann, da wurde der Weizen blinkend wie Messing und das Korn rot wie das Fell des Fuchses. Das war ein Grüßen und Nicken und Verneigen, wenn wir durch die Felder gingen! Und die Grillen zirpten in den Feldern, das klang als wären tausend winzige Schmiede tief in der Erde beschäftigt, feines Silber zu hämmern. Dann kamen die schlimmen Tage, die Sichel rupste und rauschte und eines Tages lagen die Ähren da, gefällt, steif, auf dem Gesichte, wie erschossene Soldaten. Das schmerzte uns beide sehr.

Ich stand im Winde, die Feder auf meinem Hute schnurrte, mitten im kahlen Herbste, und dachte an den Sommer und die Stoppeln schmerzten mich, wie Krüppel kamen sie mir vor.

Ich ging weiter.

Ich ging umher, besuchte alle Bänke, Steine, Lichtungen, die von Erinnerungen umschwebt waren. Es gab viele heilige Orte im Walde, solche, die ich nicht betrat, ich sah sie nur aus der Ferne an. Schwermütige Geheimnisse waren in meiner Brust.

Meine gewöhnlichen Wege waren das.

Dann wurde es dunkel, die Sonne verschwand bald und nach kurzem Abschiede hinter den Bergen.

Es war Herbst, Herbst. Der Wind wehte kalt. Gewiß würde es bald dunkel und kalt sein auf der Welt, auf lange, lange Wochen. Alle Dinge froren schon, die den Winter ahnten und die finsteren Nächte.

Es war lange bis zum Frühling.

Ich blickte in den Wald hinein, der braunschwarz in der Tiefe war. Ach, traurig sah es da drinnen wohl aus. Und ich dachte — wie ich darauf kam, weiß ich nicht — ich dachte — so kann es wohl sein: Unter einem faulen Pilz, da sitzt ein Zwerg im finstern Walde und er flickt zähneklappernd den Wintermantel aus Maulwurfspelz. Eine Schnecke leuchtete ihm.