Ich schlich herum in diesen Zimmern, schlich, flüsterte.
Ich betastete die Möbel. Es gab ein Kissen, in dem zuletzt ihr Kopf geruht hatte. Man sah es — — —
Diese Zimmer zogen mich immer wieder und wieder an! Hier war ihre Stimme, ihr Gesang! Oft fingen die Zimmer ganz deutlich zu singen an. Die Türe, die zum Schlafzimmer führte, stand halb offen, sie schien sich zu bewegen und noch leise zu knarren. Ich entdeckte Spuren ihrer Schritte auf den Teppichen, ich fand ein Löschblatt, auf das ein Tannenbaum gekritzelt war, eine Kuh, ein Monogramm, geflochten aus A und I. Auf einem Tische lag ein Buch Karls, viele Stellen waren mit feinen Strichen angemerkt. Ich fand auch ein goldenes Haar zwischen zwei Seiten. Wie erschrak ich da, als ich ganz plötzlich dieses goldene Haar fand!
Ich hatte es vielleicht geküßt, ja sicherlich, es war um meinen Nacken geschlungen gewesen. Diesen ganzen Tag wühlte ich in goldenen Haaren, ich badete mich darin, ich ließ sie über mein Gesicht streichen.
Ich fand eine Stelle in Karls Buch, die Ingeborg angestrichen hatte. Sie hieß: Wir sahen uns an. Deine Seele umschlang die meinige und sie wollten sich nicht mehr lassen und doch standen wir viele Schritte voneinander entfernt. Dann gingst du. Auch ich ging. Wahrhaftig, wie zwei Fische im Meer zogen wir aneinander vorüber. Das ist Menschenart.
Ich hörte Ingeborg seufzen. Ich entfloh.
Es sang in der Nacht. Herrlich sang es. Ich erwachte und lauschte. Die Stimme entfernte sich. Ich lächelte und preßte die Hände auf das Herz. — — —
In einer Nacht, da bellte ein Hund vor dem Hause. Ich sprang aus dem Bette. War es Pazzo? Nein, es war nichts zu sehen. Nun heulte es ganz tief im Walde. Ich kleidete mich an und lief in den Wald hinein. Ich pfiff.
Nichts regte sich als das Geräusch der fallenden Blätter.