Und ich denke: schwer ist das Leben, es stellt schwierige Aufgaben. Suche dir ein Glück, o Mensch! Lebe ein Glück, o Mensch! Lächle wieder, nachdem du vor Glück geschluchzt hast, o Mensch!
Spricht das Leben und zuckt mit keiner Wimper.
In einer Nacht, da der Wind an den Scheiben rüttelte, verfiel ich auf den Gedanken, an Ingeborg zu schreiben. Ich schrieb die ganze Nacht hindurch und mein Herz wurde leichter. Ich schrieb:
Ingeborg, Ingeborg, warum hast du mich verlassen? Ja, warum? Habe ich dich nicht geliebt, war es nicht schön in diesem Frühling und Sommer? Ich frage dich, es soll kein Vorwurf sein, nein. Du sahst Karl, du sahst Karls wirkliches Gesicht, sein wirkliches. Dann mußtest du wohl. Ich schreibe an dich. Du wirst diese Briefe nie erhalten, aber es ist so verlockend schön, an dich zu schreiben.
Wüßtest du, wie einsam es bei mir ist. Nichts regt sich in den Zimmern. Ich schlage die Türen zu, ich pfeife, aber die Stille schlägt darauf um so furchtbarer über mich zusammen. Wüßtest du, was ich alles erdulde! Vielleicht kämst du auf eine Stunde zu mir. Vielleicht schriebest du mir ein paar Worte. Ja, du bist so gütig, du würdest es gewiß tun. Wüßtest du nur alles.
Ingeborg, sei gegrüßt! Ich denke immerfort an dich. Du mußt es mir nicht verübeln in diesen ersten Wochen. Sobald ich einmal nicht mehr Abschied von dir nehmen werde, wird es besser gehen.
Ingeborg, ich sehe dich. Du lächelst und aus deinen Augen springen Funken, hell wie die Funken, die aus einem Steine springen.
Ingeborg, du bist ein goldener, runder Ring, du bist eine goldene Kugel, ja, das bist du, denn die Kugel ist die Handschrift des Schöpfers, du bist wie die weiche Luft im Frühling, wenn der Schnee zerrinnt, Ingeborg. Du bist eine weiße Glockenblume voller Tau.
Wieviel schreibe ich dir doch, Ingeborg! Aber es ist erst zehn Uhr und die Nacht ist lang. Nun schreibe ich dir noch ein Stückchen.
Ingeborg, so fahre ich fort, ich fühle es, wenn du an mich denkst. Ich lese, aber da werde ich plötzlich unruhig, du stehst hinter mir, du streichst leise über meinen Scheitel und berührst die abstehenden Härchen, wohl fühle ich es.