Ingeborg, es kann sein, daß dein Antlitz in der Luft schwebt oder nur der Glanz deiner Wange, ein Lächeln deines Mundes. Ingeborg, höre, manche Nacht kommst du zu mir und legst mir zwei Tränen unter die Augenlider. Da erwache ich dann, denn die Tränen fangen an zu glühen, und ich finde sie auf meiner Wange.
Ingeborg, zuweilen sprichst du mit mir, du sprichst wie jemand, der sich abwendet und fortgehen will. Axel, so flüsterst du, weshalb gehe ich doch von dir? Wie schön war unsere Liebe!
Das Schicksal winkte.
Ich wollte dir nicht wehe tun. Axel.
Nein, nimmermehr, du Gute, wie könntest du es doch gewollt haben. Gehe hin und freue dich. Alles wird gut sein, lasse nur noch einige Tage verstreichen. Bis ich nicht mehr Abschied von dir nehme, weißt du — — —
Ingeborg, Ingeborg, fielen mir doch rasch zehntausend schöne Namen für dich ein!
Ingeborg kämmt sich die Haare. Ich denke daran.
Ingeborg liebte es, sich die Haare zu kämmen, sie konnte Stunden damit zubringen. Und ich konnte stundenlang zusehen.
Es waren so viele Haare! Es waren Bäche, sie rieselten, stürzten über ihre Schultern, über ihre Brust, wenn sie den Kopf schüttelte, so bewegten sie sich von oben bis unten, wie Flammen wehten sie. Sie konnten das Gesicht einhüllen, daß es wie aus einer Höhle blickte. Dann schimmerten die Augen so stolz und gütig.
Sie bändigte die freigelassenen Haare mit der Hand und drehte den Kopf nach links, während sie mit dem Kamme durch die Haare fuhr. Ich habe nie gesehen, daß sie den Kopf nach rechts gedreht hätte. Und es knisterte.