Ich dachte, daß vielleicht bald wieder ein Brief von Ingeborg käme. Ich habe deinen Brief und das Medaillon erhalten, so würde Ingeborg wohl schreiben. Ich saß in meinem Zimmer und blätterte in den Mappen, vielleicht kam der Brief, oder ich ging in den Wald und wenn ich zurückkehrte, lag der Brief da. Man konnte es nicht wissen.

Die Tage gingen. Trübe Tage. Der Wind heulte und warf schmutzige Blätter gegen die Scheiben, daß sie kleben blieben. Alles welke Laub kam aus den Wäldern auf der Wiese vor dem Fenster zusammen und führte Tänze auf. Es war eine hohe, wirbelnde Säule, die tanzte, sie tanzte in den Wald hinein. Die Bäume standen kahl und man sah plötzlich den Turm der Dorfkirche zwischen den Ästen. Die Herbstzeitlosen waren verwelkt und verfault, es gab keine Blumen mehr.

Eine große schwarze Krähe wiegte sich auf dem obersten Zweig einer Buche, der blaue Rauch kleiner Feuer stieg aus dem Walde.

Schwere Wolken schleppten sich über die Berge, sie blieben in den Wipfeln hängen und zuweilen regnete es Tag und Nacht in Strömen, so daß man glaubte, das Schloß würde fortschwimmen.

Oft trat die alte Maria ins Zimmer. Ich sah auf ihre Hände. Sie hielten ein Tablett, einen Teller für Pazzo, einen Schlüsselbund.

Nur Geduld, Geduld. Ingeborg hat viel zu tun. Sie schrieb es ja. Mein Tag ist ausgefüllt mit Gesangstudien. Ich habe einen sehr talentvollen Lehrer, den Komponisten Holger Hunt, er ist ein Bekannter von Karl. Gegenwärtig komponiert er eine Oper, Merlin heißt sie. Er ist sehr streng und ich muß viel arbeiten.

Einmal aber würde sie schon Zeit finden.

Ich verbrachte meine Tage in der Bibliothek. Ich hatte viel zu lernen, es gab der Wunder unzählige in den Büchern.

Was ist mit Pazzo?

„Pazzo was ist mit dir?“