Ich stehe auf, krame im Schubfache des Schreibtisches und verlasse das Haus. Blaue Winterdämmerung ringsum. Alles schläft, Bäume, Tiere, nur ich kann nicht schlafen. Bald werde ich es können. Der Schnee leuchtet blau, wie Stahl fast, die Abendkälte hat ihn mit einer dünnen Eiskruste überzogen, die unter den Schritten kracht. Ich gehe an der Statue vorüber, einen Eisbärenpelz hat sie um die Schultern geschlungen, als ging sie ins Theater. Pst! hat sie nicht pst! gerufen? Im runden Brunnen sprudelt schwarze Tinte, die eiskalt glitzert. Der Brunnen ist mit dickem Eise bedeckt wie mit Aussatz.
Ich eile durch den Park, zur Grotte, wo der ewige Tropfen fällt. Kupferrot steigt der Mond hinter den Stämmen empor, in Dunst gepackt. Der Schnee ist mit schmutzigem Blute getränkt.
Die Grotte ist still. Der Tropfen schweigt, der Tümpel ist gefroren. Ein toter Frosch ist im Eise zu sehen, er zeigt den gelben Bauch. Die Grotte ist mit Eis überzogen und eine Säule aus Eis, einer großen geronnenen Kerze ähnlich, hängt vom Felsen zum Tümpel.
Ich setze mich in den Schnee. Ich berühre einen Busch und Schnee stiebt über mich und fällt mir ins Genick, sodaß ich zusammenschaure. Ich nehme den Revolver aus der Tasche.
Alles ist Schnee und Eis.
Umsobesser, geht es mir durch den Kopf, ich konserviere mich besser, übrigens liegt dort auch schon einer. Schade, daß ich keine gelbe Weste anhabe! Wer hätte gedacht, daß die Geschichte so leicht ist?
Ich setze den Revolver an die Schläfe und schließe die Augen.
Tick! Der Revolver versagte. Ich blicke in die Trommel. Ich sehe die Kugel.
Und ich setze wiederum den Lauf an die Schläfe. Da berührt jemand meine Schulter und ich blicke mich um. Das verhärmte Gesicht des glücklichen Wanderers nickt traurig über mir.
„Bruder, Bruder,“ spricht er sanft und hebt den Zeigefinger mitleidig drohend empor, „es gibt weitaus schlimmere Dinge als ein Weib zu verlieren. Vier Jahre Kerker, Bruder, das ist hart. Ach, ohne frische Luft, ohne Himmel, ohne Freiheit, Bruder weitaus schlimmer ist dies!“