„Sieh auf den armen Kranken und schicke ihm Gesundheit —“

Nach Belieben, dachte ich bei mir. Es war mir so leicht ums Herz und ich war zum Scherzen aufgelegt. Ich schlief wieder ein und als ich aufwachte, war es Abend geworden. Maria saß bei einem Lichte und betete immer noch.

Und ich schlief wieder ein und erwachte am lichten Morgen.

Nun war ich gesund. Ich stand auf und kleidete mich an. Ich war gesund und frisch, wie neugeboren und wollte singen. Aber gerade in dem Augenblicke, da ich beginnen wollte, konnte ich nicht singen. Es war eine eigentümliche Traurigkeit in mir, die mich nicht singen ließ.

Was aber war das doch für eine Traurigkeit? —

Tiefer Winter. Tiefer Winter.

Säcke voll Schnee hat der Himmel über die Wälder geschüttet, die Bäume sind starr und glashart. Ein roter Mond geht auf, eine rote Sonne kriecht durch den dunstigen Tag. Wie Grotten aus blauem Eise sind die Nächte. Der Schnee knarrt, im Walde bellen die Füchse. Sonst regt sich nichts mehr. Die Kälte zerfrißt die Augen. —

Heute schien die Sonne durch den Dunst und das Tal glitzerte weithin vor Freude. Eine Ahnung vom Frühling zitterte tief in der Erde.

Ich sah in die Sonne, es war mir als müßte ich durchsichtig sein wie Glas. Sie wärmte so ganz anders als das lustigste Feuer. Und ich dachte, daß der Frühling schön sei. Ein blühender lachender Apfelbaum am Wege, eine lachende Sonne, eine lachende Wiese, ein Hirtenmädchen, das den Mund bis zu den Ohren verzieht und lacht, ganz wie die Sonne, das ist der Frühling.

Ich schlüpfte in die Lodenjoppe, zog die hohen Stiefel an, nahm den Stock und das grüne Hütchen und ging.