Ich lag und dachte an Ingeborg, dachte an mich und mein unfaßbares Glück. Der Friede des schimmernden Tales zog in mein Herz.
Es war ein solch tiefer Friede, wie ich ihn nie gekannt hatte. Mein Herz strömte über. Und ich stand auf und erhob die Hand und segnete die Welt. Ich dachte: Frieden in alle Menschenherzen, süßen Frieden. Glückliche Stunden allem was da lebt, dem ärmsten Manne im fernsten Lande, dem kleinsten Wurm in der dunkelsten Erde. Feuer dem Frierenden, Brot dem Hungernden, einen sanften Tod dem Mörder, gute Fahrt dem Seemanne auf dem Meere!
Ich lag bis spät nach Mitternacht im Grase und ich hatte das Gefühl dahinzuschweben.
Friedlich schwebt die Erde ihre Bahn, dachte ich. Und ich öffnete die Lippen und flüsterte: „Friedlich schwebt die Erde ihre Bahn.“ —
In dieser Zeit, ja, was war doch alles in dieser Zeit!
Ich legte mich schlafen und zählte die Minuten, bis ich sie wiedersehen sollte. Ich ging noch einmal durch den roten Tag und sammelte. Ich fühlte den Druck ihrer Lippen auf meinem Munde, meine Hände behielten den Druck ihrer Hände in der Erinnerung. Die Wärme ihres Atems war in meinem Gedächtnis, die Weichheit ihrer Haare, der Glanz ihrer Augen, das Lächeln ihrer Wangen.
Dann schlief ich ein und im Traume begegnete mir Ingeborg wieder. Von Stunde zu Stunde erwachte ich, ich blickte in die Sterne empor, sie funkelten, sie leuchteten, sie flackerten, sie erblaßten — endlich!
Und Ingeborg sprach: „Am Tage gehe ich umher, als ob ich träumte. In der Nacht gehe ich im Traume umher, als ob ich wachte.“ Ingeborg sprach: „Alle Dinge sehe ich in hohem Glanze. Nie war der Himmel blauer, nie war der Wald grüner. Ich sehe alle Dinge wie mit Regenbogenrändern. O, Axel, dir danke ich alles!“
Ingeborg, Ingeborg, du Liebling Gottes, du Schmuck der Welt!
Die Tage zogen vorüber, wie Rosenblätter einen Bach hinabtreiben, so still, so schön und kaum gesehen, so waren diese Tage.