Ich begegnete ganz zufällig Graf Flüggen im Walde, als ich mein Gewehr spazieren trug. Wie ein Zwerg kam er daher mit langen schlenkernden Armen. Er ging immer, als suche er etwas auf dem Boden.

„Hören Sie doch nur, was für ein sonderbares Geschöpf diese Ingeborg da ist!“ sagte Graf Flüggen und seine Äuglein blinkerten. „Tag und Nacht läuft sie im Walde herum. Ja, hihi, auch in der Nacht.

Schon jeden Sommer trieb sie es, aber Heuer treibt sie es doch toll. Schläft im Walde, das Mädchen, schläft im Walde.“

Ich lachte.

Graf Flüggen lachte ebenfalls. Er hustete, so lachte er.

„Aber — aber natürlich“ — er schlug die Hände an die Schenkel — „sie ist im Walde geboren.“ —

„Im Walde fand ich sie. Ganz wie in einem Märchen saß sie da, blond, ein Zöpfchen wie ein Schwänzchen, sang, sang, daß man es meilenweit hörte. Wie heißt du? Ich heiße Ingeborg Giselher. Wer ist dein Vater? Er haut Bäume um für die Schiffe und meine Mutter ist aus Dänemark. Sie sprach so klug und munter, daß mir das Herz aufging. Bist du vielleicht der Waldgott, sagte sie. Ja. Nun, dann kenne ich dich. Ich habe dich vor drei Tagen gesehen, mit einem Buschen auf dem Kopf und einem großen Prügel in der Hand. — Hi hi hi — — du singst, Ingeborg? Ja, ich werde eine Sängerin, die Mutter hat es gesagt. Dann zeigte sie mir auch einen hohlen Baum, in dem gerade zweitausend Zwerge zu Mittag aßen. Seine Tochter ist krank, sagte sie. Wessen Tochter? Nun, die vom König Waps. Sie liegt da. Wo? Nun in der Spinnenwebe. Sie hat Husten . . . . Ja, was ist uns Ingeborg geworden, meiner Gattin und mir? Hihi — eine Freude für unsere alten Tage, eine Lust, ein Vergnügen — —.“ Er kicherte, nickte, Tränen liefen über seine Wangen.

Immerzu sprach der alte Mann von Ingeborg. Er war etwas schwatzhaft geworden in den letzten Jahren. Aber ich hörte zu, meinetwegen.

„Ja, ja, schläft im Walde, fast jede Nacht. Nun, sie soll ihre Freude gerne haben, unsere Ingeborg.“

Da stieß mich der Teufel ins Genick und ich sagte: