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Rote Tage! Blaue Nächte! Schön ist das Leben! Die Tage sind ein Rausch, die Nächte ein Märchen. Die Tage sind Singen und Lachen, die Nächte sind Küsse, die Tränen des Glückes aus zuckenden Wimpern trinken. Die Tage sind eine große rote Sonne, die Nächte ein blaues Lichtchen Mondenglanz in einem Auge ohne Grund.

An einem Sonntage kam ein Mann zu mir, der aus Haaren, Harz und Honig war. Ich stand am Fenster und sah ihn die Bergstraße heraufkommen. Ein dicker Stock ging neben dem Manne her. Dieser Stock machte noch größere Schritte als der Mann und war immer um einiges voraus. Der Mann stand still und stieß den Stock in den Boden.

„Ist der Herr zu Hause?“ rief er über die Wiese.

Ja, der Herr sei zu Hause.

Sofort begann der Mann wieder auszuschreiten, er steuerte auf die Türe zu, und Mann und Stock verschwanden im Hause.

Es pochte laut, und ein bärtiger haselnußbrauner Kopf mit leuchtenden wasserblauen Augen erschien in der Türe.

„Guten Tag auch,“ sagte der Mann und trat ein, den Stock in der Hand.

Er sei ein Holzfäller, komme aus dem Walde und heiße Fürchtegott Giselher.