Im Hause war es heiß und die blendendweißen Korridore mit den vielen Türen waren die einzig kühlen Orte des Hauses. In den Zimmern war es meistens dunkel, da die Läden geschlossen werden mußten. Steckte man einen Finger durch den Fensterladen, so konnte man fühlen, wie die Sonne ihn röstete.
Am schönsten war es im Parke. Der Park war verwildert, alt, einem Urwalde nicht unähnlich mit den dicken bemoosten Bäumen, die von allerlei Schlinggewächsen umsponnen waren. An vielen Stellen vermochte die Sonne nicht durchzudringen, sie stach mit scharfen Nadeln durch das Laub, aber sie hatte nicht die Macht, diese Dunkelheit zu zerstören. Hier war es kühl und feucht, moderig. Alle Wege des Parkes waren verwachsen und man mußte sich mit den Ellbogen Bahn schaffen. Es gab nur einen langen Hauptweg, der zum Schlosse führte. Wie ein Bach floß die Sonne im Zickzack in seiner Mitte. Hier befand sich ein Brunnen, ein rundes Becken, in dem eine dicke kurze Säule Wassers sprudelte. Diesen singenden murmelnden Brunnen, über dem immer Kühle schwebte, liebte Ingeborg ganz besonders. Sie konnte stundenlang auf seinem Rande sitzen und die Hände in das kühle grüne Wasser tauchen und das goldene Netz betrachten, das auf dem Grunde des Beckens zitterte. Es entstand durch die Brechung des Lichtes mit den kleinen Wellen, die ohne Aufhören zum Rande des Beckens eilten, und schien nach Ingeborgs Händen zu haschen.
Da saß sie und träumte, dann wandte sie sich plötzlich nach mir um und lächelte fein und voll unsäglicher Liebe. Ihr Lächeln glänzte zuerst in den Augen, dann glitt es über die Lippen. Die Lippen öffneten sich und ihre Zähne lächelten, ihre Wangen überzog ein besonders gütiges, beinahe kindliches Lächeln.
Dann sprach Ingeborg mit verträumter, weicher Stimme: „Höre wie der Brunnen rauscht!“
Sie deutete mit der Hand die Allee hinunter. Etwas Weißes schimmerte dort im Sonnenlichte, die Treppe, die ins Haus führte. Und sie sprach: „Dort wohnen wir!“ Wie im Traume sagte sie es.
Und ich ging näher, legte die Hand auf ihre Schulter, so leicht es ging und sagte: „Ich liebe dich, Ingeborg.“ So leise es ging.
Ingeborg erwiderte nichts darauf, sie lächelte zu mir empor, nahm meine Hand und legte sie an ihre Brust.
Fühlst du? fragte ihr Lächeln.
Und mein Lächeln antwortete ihr, daß ich es wohl fühlte.
Hörst du, was mein Herz sagt? fragte ihr Lächeln.