Es sind erstickte Schreie der Wonne in mir, mein Blut schreit und ich zucke zusammen — ja — — —
Es gab Stunden, da flocht Gott unsere Seelen zusammen zu einem Wesen. Ein Lächeln entdeckte uns alles was in des andern Brust vorging, wir fühlten es, die Worte brauchten wir nicht. Ich empfand Ingeborgs Stimme als meine Stimme, und Ingeborgs Atemzug war mein Atemzug. Dann brach in meinem Kopfe ein zweites Auge auf, ein schärferes, und dieses Auge blickte hinein in eine zweite Welt, deren Ahnung mich erschütterte.
Wir saßen im dunkeln Zimmer und sahen zu, wie sich eine Blume öffnete. Es war eine weiße Lilie. Sie schälte sich aus ihren Häuten, sie sprengte langsam die Knospe, die Blätter sanken herab, müde befriedigt, voller Lächeln, voller Weinen und Hoffen.
Es dauerte Stunden, bis die Lilie sich entfaltet hatte. Wir erlebten sie. Es war als steige Gott mit dem Dufte aus dem Kelche, als jubele es ringsum, als habe diese kleine Blume eine Erschütterung, eine Veränderung der Welt hervorgerufen. Die Welt hatte einen Schritt vorwärts gemacht und wir fühlten ihn. Keine Blume konnte aufgehen, kein Vogel aus dem Ei schlüpfen, ohne daß alles was lebte, es fühlte, es miterlebte.
Oft eilt ein leises Lachen durch mein Blut, in Stunden, da ich traurig bin, ich weiß wohl woher es kommt, dieses leise Lachen.
Zuweilen erzählte Ingeborg.
„Hoho!“ lachte sie, „das war noch schön!“ Dann lachte sie noch eine Weile für sich und dann begann sie. Sie erzählte immer vom Walde. „. . . . . da stand eine alte, alte Tanne, an der das Moos nur so herunterhing wie graue Bärte. Ich sah sie oft lange an. Einmal nun, da klopfte ich an die Tanne — warum? — das weiß ich nicht mehr. Was meinst du? die alte Tanne sprach! Gott, Axel, ich habe, habe es gehört. Sie sprach mit einer tiefen, tiefen Stimme, wie ein Faß: Willst du Zapfen haben? Dann schüttelte sie sich und es kamen viele, viele Zapfen herunter.“ Tausend solcher Geschichten erzählte sie.
„. . . Da schickten sie mich in die Stadt, weil ich etwas lernen sollte. Ich träumte immer vom Walde. Einmal da träumte ich von einer großen Lichtung, die von Erdbeeren ganz übersät war. Ja, nie habe ich soviele Erdbeeren gesehen. Ich bückte mich, sie fielen herunter, alle, alle, alle, es sah rot im Grase aus, es klebte . . . In der Stadt hielt ich es ein Jahr aus. Dann kam ich zurück. Höre Axel, wie erschrak ich! Der Wald kannte mich nicht mehr. Er zürnte mir, o, wie sah er mich an! Ich weinte. Dann kam ich auf eine famose Idee. Sie schmückten mich in dieser Zeit so. Ich nahm die Kette aus den Haaren, zog mein ältestes Kleid an, zog die Schuhe und Strümpfe aus, brachte mein Haar in Unordnung, und nun lief ich in den Wald hinein und schrie wie toll. Solltest du gesehen haben, Axel, Axel, hoho! Ja, er kannte mich wieder . . .“
„Einmal wieder, da kam ein Mann durch den Wald, ich habe vergessen, wie er aussah, er lächelte und hatte helle Augen. Ich ging mit ihm ein gutes Stück Weges. Er küßte mich auf die Stirne. Ich dachte, ich sei mit Jesus Christus gegangen, und später als ich erfuhr, daß Jesus Christus vor langer Zeit gelebt hatte, trauerte ich. Aber einige Jahre darauf glaubte ich doch wieder, daß mir Jesus Christus begegnet sei und es wurde so licht in meiner Seele —“
„Und jetzt?“