Und sie erzählte es mir immer, wenn sie ein neues Gesicht an ihm entdeckte.

Sehr spät erst entdeckte sie sein wirkliches Gesicht, so wie ich es sehe, wenn ich die Augen schließe und an ihn denke. —

Ich erinnere mich eines Abends, da er so wunderbar über die Menschen sprach, über Sehnsucht und Glücksverlangen, über Hoffnung, über Glück, über Verirrung, über ihre Trauer, ihren Schmerz, ihre Einsamkeit, ihre Verzweiflung. Wie ein Künstler in die Saiten greift und Akkorde und Melodien flicht, so flocht er Akkord an Akkord und wir hörten ein Lied über des Menschen Herz, das so wunderbar ist, so wunderbar schön, so wunderbar mild, so wunderbar wild, so wunderbar, so wunderbar . . . . . . .

Ich glaube, daß Ingeborg an diesem Abend sein wirkliches Gesicht entdeckte, ich glaube es, denn sie sprach die ganze Nacht nichts darüber, sie blickte mich nur an und ihre Wangen lächelten. Sie zog meine Hand an die Lippen, sie küßte sie nicht, sie drückte sie nur an den Mund. Sie sann.

Ja, gewiß war es an diesem Abend. — — —

16

Es ist schön an diesen Sommer zu denken, ihn immer wieder zu durchwandern, durch seine Sonne zu gehen, seine Sonne, nicht die eines anderen Sommers. Ich habe ja seine Sonne im Gedächtnis, sie brennt noch auf meinen Händen und glüht noch um mein Gesicht.

Es ist schön diesen kühlen weißen Korridor zu durchwandern, die Türen zu öffnen, zuzuschlagen, zu Freund Bluthaupt hinaufzusteigen und eine Zigarette bei ihm zu rauchen, ja, es ist eine Lust, in diesen Wald dieses Sommers zu gehen, Ingeborg an der Seite, eingehüllt in Ingeborgs Liebe, die so warm ist, so warm.

All das ist schön. Es ist schön, in den verwilderten Park hineinzulaufen, zu rufen, zu singen.