„Ihr Götter über den Wolken, ihr kennt Ingeborg wohl, dann begreift ihr auch und ihr verzeiht mir, daß ich nicht mit euch über den Wolken wandeln möchte, trotzdem ihr Götter seid.“

„Das möchte ich auch nicht!“ schrie Ingeborg. „Nein, ihr alten freundlichen Götter. Aber ich bitte euch, straft uns nicht für unsern Frevel!“ — —

Wir saßen wieder auf der Bank unter der kleinen Birke. Die Bank hatte gerade Raum für zwei Menschen.

Es war in der Stunde, da die Sterne noch nicht aufgegangen sind und man sie doch alle mit den Blicken ahnt.

Ich sagte: „Ingeborg, du bist mein Liebling, und mein Herz ist so reich geworden, seitdem ich dich küßte.“

Ingeborg sagte: „O, Axel, ich erschrecke vor Freude, sehe ich deinen Schatten um die Ecke kommen. Das Blut weicht aus meinen Wangen, wenn ich deine Stimme höre. Es ist mir unbegreiflich, daß ich deine Küsse ertrage, ohne zu sterben.“

Ich sagte: „O, Ingeborg, ich bin ein Garten, ein blühender Garten. Ich bin in Blüte, Ingeborg!“

Ingeborg sagte: „Ich sehe alle Dinge verändert, und liebe sie mehr als je. Ich liebe die Steine sogar, die auf der Straße liegen. Auf allen Dingen scheinst du zu sein. Die ganze Welt ist ein Spiegel geworden, der dich mir zeigt. Ich habe dein Lächeln schon im Laube einer Buche gesehen und deine Hand in einer Wiese, die sich bewegte. Ach, käme doch etwas, wodurch ich dir meine Liebe zeigen könnte. Ich würde betteln gehen für dich, von Haus zu Haus —“

Ich sagte: „Ich höre kaum was du sagst, ich höre nur deine Stimme. Sie singt mich in den Tod. Das ist herrlich. Das ist herrlich, die Augen zu schließen und in Gedanken der Linie deines Profiles zu folgen.

Das ist herrlich, deine Haare anzusehen, ich habe jedes Fünkchen deiner Haare im Gedächtnis. Wie sind deine Haare? Sie sind als ob sie überall Augen hätten. Das ist herrlich, deine Wimpern haben einmal meine Schultern berührt, immerzu fühle ich es — jetzt — in jeder Minute —“