So begann es. Wir saßen auf der Wiese am Waldesrande, die Ingeborg Honigtröpflein taufte. Da standen viele gelbe Blumen, aus denen Honig tropfte. Man roch den Honig schon von weitem, ein Heer von Bienen brummelte immerzu auf der Wiese. Da saßen wir in der glühenden Sonne, aber Ingeborg fröstelte.

Wir gingen nach Hause, durch den Park, Ingeborg schmiegte sich an mich. Plötzlich stieß sie einen Schrei aus. In der Allee stand eine Statue, die das Schweigen darstellte, eine Frau, die zwei Finger an die Lippen legte. Die Blässe des Marmors hatte Ingeborg erschreckt. Am Abend erholte sie sich wieder. Karl speiste mit uns, wir waren guter Dinge, plauderten, lachten.

Aber am andern Morgen war Ingeborg krank.

Ich jagte in die Stadt und holte einen Arzt, depeschierte in die Hauptstadt. Der Weg führte durch den sommerstillen Wald, die Vögel zwitscherten. Mein Herz war unruhig, meine Ungeduld flog vor mir her. Ich jagte durch Dörfer und Ortschaften, die Leute drohten mit der Faust. Es kam auf ein Dutzend dieser Bauernkaffern nicht an.

Der Arzt verstand nichts. Auch Karl verstand nichts, oder er stellte sich so.

Ingeborg lächelte.

Es ginge vorüber, heute Abend wolle sie wieder aufstehen.

Niemand schien zu hören, daß sie hastig sprach, fast plappernd wie ein Kind, niemand schien den metallenen Glanz in ihrem Auge zu sehen.

Karl las vor. Ich hörte nicht, was er las, nur dann und wann trat ein Bild vor mein Auge, farb- und konturlos wie ein abgewaschenes Aquarell. Ingeborg schlief ein.

Ich saß allein bei Ingeborg im weißen Zimmer. Die Angst nagte an meinem Herzen. Goldene Dämmerung kam ins Gemach, Ingeborgs Haare glänzten wie Erz. Ihre Brust hob und senkte sich langsam, diese gleichmäßige Bewegung brachte Frieden in mein Herz. Unwillkürlich atmete ich im selben Takte, dann fiel es mir auf, wieder begann die Angst zu nagen. Es wurde dunkel, Ingeborgs Haare schimmerten, die Dämmerung senkte sich immer dichter über sie, es war, als entwiche sie mir. Ich zündete eine Kerze an. Da erwachte Ingeborg.