Sie blickte mich mit großen Augen an und es schien, als besänne sie sich.

„Wie spät ist es, Axel?“ fragte sie.

Der Abend sei eben gekommen.

„Dann muß ich noch lange schlafen,“ sagte Ingeborg. Aber sie schlief nicht wieder ein. Es sei heiß. Ihre Wangen glühten. Ich öffnete ein Fenster, ein kühler Wind wehte, wie nach einem Gewitter, ich mußte es wieder schließen, über den Himmel zogen schwere hängende Wolken, die die Wälder streiften. In der Ferne dampfte es, es regnete. Ich legte kalte Tücher auf Ingeborgs Stirne, aber im Augenblicke waren diese Tücher warm. Ingeborgs Augen waren feuchtglänzend, wie blaues und weißes Email.

„Nun bin ich krank,“ sagte Ingeborg und nickte müde. Sie schloß die Augen.

Die Nacht kam. Karl ließ fragen, ob er mir irgendwie behilflich sein könnte. Nein, danke. Langsam gingen die Minuten. Der Wind wurde stärker, er fauchte gegen die Scheiben, zuweilen murmelte er, als schüttele ihn die Kälte. Es rumorte in den Bergen und Wäldern von fernem, dumpfem Donner.

Es zogen Gedanken hin und her in meinem Kopfe, eine Stimme flüsterte in mir. — —

Das große gelbe Haus mit den vielen Zimmern lag ganz still, als wohne niemand darinnen als die Bilder an den Wänden und Erinnerungen.

Man hörte weder Türen noch Schritte, und der Hof lag ebenfalls ohne Laut wie am Sonntage, wenn das Gesinde in der Kirche war. Nichts rührte sich, kein Ruf, kein Schritt. Dieses Schweigen war hörbar und es kam mir vor als verdichte es sich von Stunde zu Stunde.

Ich setzte einige Uhren in Gang. Nun hörte man nichts als diese Uhren. Das Schweigen aber wuchs, es breitete sich immer dichter um das Haus. Alles schien zu lauschen auf einen Schritt in der Ferne, der näher kam.