Eine Stimme flüsterte in mir. Ich verschloß ihr mein Ohr. Ich wollte sie nicht hören.
Der Arzt aus der Hauptstadt traf ein. Er sagte, daß Ingeborg eine außergewöhnlich kräftige Natur habe. Da flüsterte die Stimme in mir lauter, es waren nun zwei Stimmen, die in mir flüsterten. Ich hörte sie, aber ich glaubte ihnen nicht. Ich ging umher und trug ein gleichmütiges, ja ein zuversichtliches Gesicht zur Schau.
Die Stunden waren endlos. Bis die Nacht kam, bis die Nacht verging! Es waren kühle stürmische Gewittertage, die Wolken fingen sich in den Bergen und fanden keinen Ausweg mehr. Langsam schleppten sie sich im Kreise und knurrten.
Ich schlief nicht. Ich spürte keine Müdigkeit, aber mein Gehör schlief ein. Ich ließ Ingeborg nicht aus den Augen, es gab Kissen zu richten, Fruchtsaft zu reichen, Eis aufzulegen. Ich ließ niemand ins Krankenzimmer außer dem Arzte. Er hatte im Schlosse Wohnung genommen.
Ich trug Ingeborgs fiebernden Körper ins Bad und zurück ins Bett, ich war kräftig, im übrigen war es meine Ingeborg, und niemand hatte ein Recht, sie zu pflegen außer mir.
Schlafen Sie doch! sagte der Arzt. Sie sind selbst krank! Nein! sagte ich.
Es kam eine Nacht, da saß Ingeborg plötzlich steif im Bette mit langem Gesichte, glitzernden Augen, und zählte an den Fingern etwas ab.
„Sieben Zettelchen, es sind sieben!“ rief sie mit der Stimme eines erschrockenen Kindes.
Ich erblaßte. Da war es!
Stundenlang phantasierte Ingeborg, bis sie ermattet in die Kissen zurückfiel.