„Nun gut“, dachte Schwedenklee. „Ich habe gute Beziehungen zu den Theatern in Berlin. Sie wird es leichter haben, soll es leichter haben, als andere. Freilich: das Theater – lieber wäre mir ein anderer Beruf – lieber wäre mir gar kein Beruf ...“
Ellen hatte einen hellen, ergreifenden Sopran: vielleicht Sängerin?
Nun, sie sollte wählen, sie sollte werden, was sie wollte!
Tagelang stand eine Überraschung in Schwedenklees Augen. Ellens Neugierde war aufs höchste gestiegen.
Eines Tages wurde ein kleiner funkelnagelneuer Stutzflügel vor dem Hause abgeladen. Es war ein Glück, daß Ellen im Walde war! Als sie zurückkam, fand sie den Flügel im Speisezimmer. Ein kleiner Strauß von Frühlingsblumen stand darauf, und an der Vase lehnte eine Karte, auf die Schwedenklee geschrieben hatte: der kleinen Ellen für ihre neue Wohnstube.
Ellen war überglücklich. Sie schlang ihre weichen, nach Gras und Wald duftenden Arme um seinen Hals. Die Berührung ihrer Arme war leise und doch unsagbar innig.
Am Abend fand das erste Konzert statt. Schwedenklee spielte aus bekannten Opern, und er spielte außerordentlich aufgeregt. Er spielte Klavier keineswegs so gut wie Geige. Aber er spielte ohne Mühe, las gewandt, und zudem konnte er die meisten Opern auswendig. Schon nach wenigen Tagen hatte er sich wieder eingespielt, und der kleine Flügel sang und donnerte wie ein Provinzorchester, das sich alle Mühe gibt. Nun begann er auch einzelne Partien halblaut zu singen.
Ellen war wie verzaubert. Mit glänzenden Augen saß sie da, den Mund offen, die Ohren leuchteten purpurrot. Ihre Kindheit erwachte, da sie in einer Luft von Musik aufwuchs.
Bald aber – wie angezogen – stand sie hinter Schwedenklees Stuhl und begleitete ihn mit leiser, erregt bebender Stimme.
Fast jeden Abend wurde musiziert. Draußen die Nacht, der Mond klettert in den samtschwarzen Himmel empor, die Bäume brausen.