„Was mag sie wohl spielen?“ dachte Schwedenklee neugierig in seinem Versteck. Nie kam sie ihm seltsamer, rührender vor als in diesem Moment.
Offenbar war sie nicht zufrieden. Wieder kniete sie nieder, ihre dünnen, zarten Hände flehten, ihre ganze Gestalt, die Arme, die Neigung ihres Kopfes. Wieder wich sie zurück – herrlich und wunderbar erschien sie ihm, leidenschaftlich hingegeben ihrem Werke, inmitten der Einsamkeit und Heiligkeit des Waldes.
Strolly, der Hund, gewöhnt an ihr wunderliches Gebaren, lag im Grase, den Kopf zwischen die Pfoten gesteckt. In der Gabel eines Astes entdeckte Schwedenklee den schwarzen Kater.
Bei einer lebhaften Geste schreckte der Hund auf und sprang an ihr empor. Sie umarmte ihn, küßte ihn und beide wälzten sie sich im Grase. Hell und herzlich klang Ellens Gelächter.
Heute, morgen, übermorgen belauschte sie Schwedenklee klopfenden Herzens. Aber der Hund lief hin und her, bellte – endlich stutzte Ellen, unterbrach ihre Deklamation und lauschte. Sie machte Miene, dem Hund zu folgen.
Schwedenklee entfloh und belauschte sie fortan nicht mehr.
Trotz dem kameradschaftlichen, harmlosen und nahezu kindlichen Tone, der zwischen ihnen herrschte, bewahrte Ellen immer noch eine gewisse Scheu und Fremdheit. Zuweilen sprach sie von ihren Hoffnungen in der Zukunft, niemals, oder fast niemals rührte sie an die Vergangenheit.
Bis zum Alter von ungefähr fünfzehn Jahren hatte sie wohl ein ziemlich sorgloses, ja heiteres Leben geführt. Dann kam die Krankheit der Mutter. Ellen, ein Kind noch, führte den Haushalt, die Sorge trat ihr ganz nahe. Früh gereift in manchen Dingen, hatte die Schwere dieser Jahre sie in ihrer seelischen Entwicklung in anderer Beziehung gehemmt. Unentwickelter als Mädchen ihres Alters, die sorglos und heiter erblühten, war sie in anderen Dingen.
Oft beobachtete Schwedenklee, wie sie mit den Tieren plauderte. Sie sprach mit ihnen wie mit kleinen Geschwistern, so naiv gläubig und zärtlich. Die Tiere aber schienen sie völlig zu verstehen.
„Wie rührend sie ist!“ dachte Schwedenklee, und ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und des Glückes erfüllte ihn.