„Und wenn sie doch mein Kind wäre?“ flüsterte er. Da! Nun war er ausgesprochen, der Gedanke!

Schwedenklee taumelte, so stark erschütterte ihn der Gedanke.

Die arme Ellen, sie war damals von Paris nach Nürnberg gefahren und hatte dort schon in den ersten Tagen Blank kennengelernt. Blank hatte sich sofort in sie verliebt und sie hatten – nach anfänglichem Zögern Ellens – geheiratet. Anfangs Januar des nächsten Jahres war die kleine Ellen geboren worden.

Soweit die Tatsachen – gänzlich unverfänglich, wie man zugeben wird, von dem verhältnismäßig frühen Termin der Geburt des Kindes abgesehen. Ja, wann zum Beispiel hatte Ellen Fröhlich Paris verlassen? April, März, früher? Ja, mein Gott, man lebte damals in den Tag hinein – wer dachte an solch abenteuerliche Möglichkeiten?

Nein, der Termin der Geburt war ohne Bedeutung. Leidenschaftlich und rasch ist die Jugend, hatte er nicht selbst in dieser Hinsicht genug Erfahrungen gesammelt?

Aber Schwedenklee erinnerte sich noch heute deutlich an eine Andeutung im ersten Brief, den Ellen Fröhlich von Nürnberg aus schrieb, eine Andeutung, die ihm sofort die Hitze ins Gesicht getrieben hatte. Er hatte diese Andeutung ignoriert, und in den folgenden Briefen war nicht mehr die Rede davon gewesen. Später hatte er sich seiner Feigheit geschämt, und gerade aus diesem Grunde erwachte ein leichtes, nicht abzuschüttelndes Gefühl der Scham in ihm im Augenblick, da die Erinnerung an Ellen Fröhlich unerwartet in ihm geweckt wurde. Es war natürlich auch möglich, daß er diese Andeutung, jene dunkel klingende Bemerkung, völlig mißverstanden hatte?

Und doch, um ehrlich zu sein, augenblicklich hatte er sich an diese seltsame Andeutung erinnert, als Blank ihm seinerzeit schrieb: vielleicht habe ich Ihnen Mitteilungen zu machen, die Sie interessieren könnten!

Es gab aber ein weiteres gewichtiges Argument: Weshalb hatte Blank, der ihm alle Einzelheiten seines Lebens anvertraute, nie mit einer Silbe erwähnt, daß er eine Tochter besaß? Ja, weshalb, bei allen Göttern?

Schwedenklees Herz blieb stehen. Der Schweiß brach erneut aus seiner Stirn.

Ja, war es nicht das allersonderbarste, daß Blank nie von seiner Tochter sprach? Wie?