War es – mehr noch! – nicht auffallend, daß Blank kurz vor seinem Tode alle Papiere, die er besaß, vernichtete?

„Es steht fest,“ resümierte Schwedenklee, zitternd vor Erregung, „Ellen ist deine Tochter! Ich will es dir beweisen!“

Nehmen wir es einmal an: sofort ist Blanks sonderbares Benehmen, sind all seine Worte und Anspielungen sonnenklar.

Ellen Fröhlich trug dein Kind unter dem Herzen, als sie von Paris kam. Sie machte eine Andeutung, sie war überzeugt, du würdest auf diese Anspielung hin sofort zu ihr eilen. Blank berichtete ja, daß sie dich bestimmt erwartete. Du ignoriertest die Andeutung, du kamst nicht. Sie haßte dich! Ließ sie dir nicht bestellen: Sage ihm, daß ich ihm nicht mehr grolle! Grolle? Oh, ja, nun wurde es klar. Blank liebte sie rasend, er nahm das Kind als sein Kind entgegen. Das war das Geheimnis ihrer Ehe! Aus welchem anderen Grunde solltest du zwanzig Jahre hindurch in dieser Ehe diese wichtige Rolle gespielt haben? Weshalb vergaß man dich nicht? Nun, sehr einfach, weil man dich nicht vergessen konnte! Das Kind ...

Als Ellen fühlte, daß ihre Kräfte zu Ende gingen, war es da angesichts der wirtschaftlichen Not nicht naheliegend, daß die beiden im Interesse des Kindes beschlossen, das Geheimnis preiszugeben? Blank sollte zu dir kommen, dich sprechen, dir das Geheimnis enthüllen. Aber du wolltest ihn nicht empfangen – er war gezwungen, Anspielungen zu machen, die dich stutzig machen sollten. Ja, ja – so ist es und nicht anders!

Er kam zu dir – aber im Augenblick, da er dich sah, war es ihm gänzlich unmöglich, aus rasender Liebe für das Kind, aus rasender Eifersucht, die entscheidenden Worte zu sprechen. Aus diesem Grunde sprach er nie von seiner Tochter ...

Es ist ja nur selbstverständlich: wäre mit der jungen Ellen nicht ein Geheimnis verknüpft, so würde Blank in der ersten Stunde zu allererst nur von ihr erzählt haben ...

„Alles, alles erklärt sich!“

Schwedenklee schwankte durch das Zimmer. „Ja,“ sagte er zu sich, inbrünstig, bis zu Tränen erregt, „ohne jeden Zweifel – sie ist dein Kind! Und morgen werde ich es ihr sagen. Von morgen an werden unsere Beziehungen einen anderen Charakter tragen.“

Schon aber blieb Schwedenklee verwirrt stehen. Obwohl es heiß im Zimmer war, zitterte er vor Frost. Nein, das, gerade das war ja gänzlich unmöglich!