Während er harmlos zu plaudern versuchte, während er zu lächeln versuchte, marterte ihn vielleicht der Gedanke: kann man diesem da – wenn es zum Äußersten kommen sollte –, kann man diesem da, diesem Schwedenklee, das Kind anvertrauen? Wird er nicht, teilnahmslos und gleichgültig, die Bitte eines Unglücklichen verhallen lassen?

Nun schien auch plötzlich die Bemerkung Sinn zu bekommen, die er machte, als er nach dem Abendessen in der Droschke fortrollte: einmal werden Sie vielleicht begreifen, welche Bedeutung es für mich hat, Sie näher kennengelernt zu haben.

Weshalb aber sprach er nicht von Ellen? Aus Scheu, aus Scham – aus letzter Scham ...

„So und nicht anders ist die Sache“, wiederholte Schwedenklee, „und alles andere sind nervöse Konstruktionen –“

„Und ein Argument gibt es, wichtiger als alle, unwiderlegbar!“

„Nehmen wir an, Ellen wäre deine Tochter – hätte der sterbende Blank, der ja noch die Kraft hatte, dir zu schreiben, hätte er in dieser furchtbaren Stunde nicht die Wahrheit bekannt? Schon um sicher zu sein, daß du Ellen gut aufnehmen würdest?“

„Mit dem Tod vor Augen – nein, nein, ganz unmöglich!“

„Sie ist natürlich nicht deine Tochter!“ rief Schwedenklee beglückt aus.

Er wischte sich den Schweiß vom Gesicht. Die Erregung hatte ihn völlig erschöpft.

„Wie albern die Menschen doch sind!“ dachte er befreit und leicht. „Wie albern! Mit welchem Unsinn sie sich die Köpfe angefüllt haben! Es ist ja schließlich höchst einerlei, ob sie nun mein Kind ist oder nicht. Das wesentliche ist ja doch, daß sie bei mir ist! Sie ist mein, sie wird mein sein, sie wird meine Geliebte, meine Frau sein – ja, selbst wenn ich es wüßte, daß sie mein Kind ist! Ich werde glücklich sein. Was kümmert mich schließlich alles andere?“