Schon graute der Tag. Abgezehrt, verhärmt sank der Mond, eine blasse, zerfressene Scheibe, in den Morgennebel, der aus den Feldern stieg. Ein früher Vogel schrie geisterhaft.
Spät am Morgen erwachte Schwedenklee. Als er sich ankleidete und durchs Fenster blickte, sah er Ellen hoch oben auf einem Wagen herrlich gehobelter Bretter sitzen, der so eben von einem Gespann starker Bauernpferde in den Hof gezogen wurde. Es war der Fußboden des Anbaues. Sie lachte mit dem Kutscher. Strolly, der Hund, tanzte wie rasend vor den Nasen der Pferde. Ellen erblickte ihn am Fenster, und ihr zarter Arm winkte, während die Sonne auf ihren Wangen funkelte.
Verflüchtigt waren die Nachtgespenster.
24
Die Saat schoß aus der Erde, über Nacht wuchs das Gras auf der Wiese. Die Wälder standen plötzlich in dichtem Grün. In Schwedenklees verwahrlostem Garten erblühten plötzlich Scharen von Lilien, Päonien, Stauden aller Art, Schlingrosen – vor Jahren hatte er sie gepflanzt und völlig vergessen. Der kleine Obstgarten, Pflaumen und Birnen, war eine einzige schneeige Wolke, zwischen Haus und Wald gebettet. Ellen war nichts als seliges Staunen.
Heiß und plötzlich setzte der Sommer ein. Reichtum quoll aus der Erde, Gräser, Blumen, Unkraut. Schon wogte das junge Getreide, der Klee stand einen Schuh hoch. Bis an die Knie standen die Kühe im Gras, die Pferde grasten in der grünen Koppel, die Schweine grunzten auf dem schwitzenden Misthaufen. Die Hühner gackerten lärmend, und Scharen von Küken wimmelten um die Glucken. Der Bauer schnitt die erste Mahd, und der Schweiß rann ihm über das braune Gesicht.
Ellen hatte bis jetzt fast immer dunkle Kleider getragen. Sie vertauschte sie nun endgültig mit hellen Sommerkleidern. So erschien sie plötzlich weltlicher, reizender, strahlender – Schwedenklees Blicke hingen an ihr, wie sie durch den Garten schritt, in den Wald lief, sich zu einer Blume bückte, das lockere Haar mit der Hand in den Nacken warf.
Schwedenklee schien größer geworden zu sein, da er sich besser hielt. Sein Bauch war fast völlig verschwunden, sein Gesicht, wenn auch noch massig und viereckig, war straff und braun, niemand konnte leugnen, daß er sich um zehn Jahre verjüngt hatte.
Er war in diesem Frühling und Sommer nicht müßig gewesen. Zusammen mit Ellen hatte er einen neuen Obstgarten angelegt, gegen hundert Bäume, er hatte eine Bewässerungsanlage von fünfzig Meter Länge gebaut. Er hatte Wege ausgehoben, Bauschutt und Sand gefahren und festgestampft. Nun war er dabei, eine Laube zu zimmern, die eine herrliche Aussicht bot. Er hatte Schwielen an den Händen, ganz wie der Bauer. Am Abend sank er todmüde ins Bett, um wie ein Stein zu schlafen.
Sie waren viel auf den Rädern unterwegs. Ein wenig außer Atem folgte Schwedenklee Ellen, die wie ein Rennfahrer dahinfuhr. Ellen hatte auch kutschieren gelernt, etwas ängstlich noch saß sie, die Peitsche in der Hand, in steifer Haltung auf dem Bock, und die Pferde trappelten hurtig dahin. Schwedenklee hatte ihr einen kleinen eleganten Wagen gekauft.