Nein, er hatte natürlich nicht erwartet, daß sie ihm um den Hals fallen würde, keineswegs. Sie war ein junges Mädchen, vor eine bedeutsame Frage gestellt, sie mußte Zeit zur Überlegung haben – er würde weder mahnen noch drängen, nicht, daß man einmal sagen könnte, er habe sie überrumpelt.
Und doch ...
Nein, nein, Schwedenklee war gewissermaßen dankbar, daß sich die erste Begegnung nach seinem Antrag so und nicht anders abgespielt hatte.
Er frühstückte mit gutem Appetit. Aber, während er ein Ei in der Hand aufschlug, konnte er doch den Gedanken nicht unterdrücken, daß es schließlich nicht nötig war für Ellen, so rasch, so verwirrt und verlegen wegzulaufen. Nein, nein, ganz unter uns, er hätte es hübscher und richtiger gefunden, wenn sie ihm zum Beispiel beim Frühstück Gesellschaft geleistet hätte.
Mit einer kleinen Falte in der Stirn zerlegte er eine Sardine.
Schwedenklee begann den Tag mit einer gewissen Feierlichkeit. Er ging bedächtig durch die Ställe, was er selten tat, er sprach lange und fast freundschaftlich mit dem Pächter, er stand und blickte über Felder und Äcker. Hell glänzte der Tag, eine Lerche schmetterte im Sonnendunst, sein Herz wurde heiter und froh.
Trotzdem – je länger er stand und in den hellen Tag hineinblickte – desto leerer und verwirrter wurde es in seinem Herzen. Er fühlte sich vereinsamt, verlassen, der Glanz des Tages bedrückte ihn. Obschon er sich geschworen hatte, Ellen in ihrem Versteck im Walde nie mehr zu belauschen, trieb ihn doch ein unwiderstehliches Verlangen, sie zu sehen, hinein in den Wald. Er pirschte sich vorsichtig durch das Erlengebüsch, erschreckend bei jedem Knacken eines Astes. Die Naturbühne aber war verlassen. Ellen war nicht da.
Schwedenklee kehrte enttäuscht in den Garten zurück und nahm, um die Langeweile zu verscheuchen, die Leere, mit übertriebenem Eifer seine Arbeit auf. Der Garten, muß man wissen, stieg von der Eingangspforte zur Treppe des Hauses sanft an. Schwedenklee beabsichtigte, diese Steigung in zwei Terrassen abzubauen, die, mit Stauden und Sommerblumen bepflanzt, dem Vorgarten ein heiteres und repräsentatives Gepräge geben sollten. Schon seit Wochen war er mit dieser Terrassierung beschäftigt, die Arbeit würde noch Wochen beanspruchen.
Eifrig handhabte er den Spaten. Die Sonne stach scharf ins Genick. Und Ellen, wo war sie?
Plötzlich hörte er eine Stimme, eine kernige, helle, etwas selbstbewußte, ja arrogante Männerstimme.