Das Mittagessen verlief in ausgelassener Stimmung. Ellen konnte kaum einen Bissen über die Lippen bringen, so sehr mußte sie über Pohls Schnurren und seine drollige Ausdrucksweise lachen. Er hatte eine Anrede für Schwedenklee gefunden, die sie begeisterte! Er nannte Schwedenklee, etwas keck und zutraulich nach einer so kurzen Bekanntschaft: Don Philipp!
„Don Philipp! Wie herrlich der Name zu dir paßt!“ lachte sie, indem sie sich an ihn schmiegte.
Nach Tisch legte sich Schwedenklee aufs Ohr. Er war noch müde vom gestrigen Abend. Nach einstündigem Schlaf erwachte er: in vorzüglicher Laune. Er war nunmehr direkt erfreut über Pohls Besuch! Seit vielen Wochen war er mit Ellen allein, ihre Gespräche waren etwas monoton geworden, viele Gesprächsstoffe nahezu erschöpft. Oft war es etwas sehr still auf Siebenbirken, nicht für ihn, o nein, er liebte die Ruhe, aber, wie er fand, für Ellen. Der Besuch regte sie an. Es war sehr wohltuend, daß ein Hauch der Umwelt in das Leben auf Siebenbirken strich.
„Don Philipp, Edler von Siebenbirken – Pauken und Tusch!“ begrüßte ihn Pohl, der mit Ellen in der hellen Sonne auf einem Heuhaufen der gemähten Wiese saß. (Schon mußte Ellen wieder laut herauslachen!) „Habt die Gnade, das Programm entgegenzunehmen, das wir für Euch, um unsere Ergebenheit zu bezeigen, entworfen haben: Zuerst die olympischen Spiele, die sofort ihren Anfang nehmen. Sodann Festtafel bei Don Philipp mit königlichen Weinen. Hierauf Festvorstellung im Hoftheater Euer Durchlaucht: Figaros Hochzeit. Später Divertissements, Empfang, Defilé, Cour. Genehm? – Anfang! Don Philipp befiehlt den Beginn! Pagen heran! Zurück der Pöbel!“
„Ich starte,“ fügte Pohl rasch hinzu, „nimm die Uhr, Ellen. Los!“ Wie ein fliehender Hirsch umrundete er die Wiese. Nie in seinem Leben hatte Schwedenklee solch einen Läufer gesehen.
„Ellen Blank!“ schrie Pohl. Und Ellen lief. Schwedenklee war ergriffen, als er sie laufen sah. Sie schleuderte die Knie, daß man ihre Wäsche sah. Ihr Haarschopf fiel herunter und sie steckte ihn im Laufen auf. Während sie lief, schrie sie aber ununterbrochen vor Vergnügen und Erregung.
Nun kam die Reihe an Schwedenklee. Er tat sein Bestes, um sich nicht zu blamieren. Blutrot und schwitzend kam er an.
„Don Philipp hat gewonnen!“ entschied Pohl. Er behauptete allen Ernstes, daß Schwedenklee ihn um zwei Sekunden geschlagen habe, und überreichte ihm mit feierlicher Ansprache einen Birkenzweig.
Es ist eine Tatsache, daß Erwachsene viel kindischer sein können – in besonderen, seltenen Stunden – als Kinder, und es kann als Maßstab ihrer Unverdorbenheit und Güte gelten, wenn sie diese Fähigkeit noch besitzen.
Jedenfalls, je länger die olympischen Spiele währten, desto ausgelassener wurden die drei.