Schwedenklee betrachtete das Abenteuer schon mit ruhigeren Augen. Die Erscheinung hatte gänzlich ihre Unheimlichkeit eingebüßt – ein Kranker, ein Hilfsbedürftiger, das war alles, was von ihr geblieben war. Ja, schon empfand Schwedenklee, der brutale Schwedenklee, der Leute, die ihn störten, zum Teufel schickte, Mitleid mit seinem Gast.
Wie hatte Blank seinerzeit geschrieben? „Mein krankes Gehirn.“ Vielleicht, ja sogar wahrscheinlich, war manches nicht mehr ganz in Ordnung bei ihm. Er erweckte ohne Zweifel den Eindruck, besonders diese leuchtenden gütigen Augen! Wir werden sehen, höflich, freundlich, um ihn nicht zu erregen, und dann wird sich ja alles weitere von selbst finden.
Schwedenklee setzte also eine alltägliche, freundliche Miene auf, als sei überhaupt nichts Ungewöhnliches geschehen.
„Ich bitte doch abzulegen, Herr Blank!“ sagte er mit großer Liebenswürdigkeit.
Blank schälte sich, verwirrt und zerstreut um sich blickend, aus dem fadenscheinigen Überzieher. Sein Anzug war so jämmerlich, daß Schwedenklee sich betroffen abwandte.
„Ich werde ihm helfen!“ dachte er nun schon. „Ich habe ja genug alte Kleider, Herrgott noch einmal!“
„Mein Benehmen –,“ stammelte Blank, während er zu einem Sessel schwankte, „mein Benehmen muß aufdringlich und unverständlich erscheinen. Eine abscheuliche Rolle, die ich nie in meinem Leben spielte – die ich verabscheue ...“
„Ich bitte, Herr Blank.“
Blank erhob sich wieder aus dem Sessel und tastete nach Schwedenklees Hand. „Jedenfalls Dank, daß Sie mich nicht abweisen, Herr Schwedenklee!“ sagte er mit einem heißen Blick der dunklen Augen. „Allein das teuerste Wesen, das ich besaß, eine Tote, befiehlt und ich gehorche!“
„Eine Zigarre vielleicht?“ Wollte er doch aufhören, von Toten zu sprechen, dachte Schwedenklee, um Gottes willen!