„Ich sah sie noch gar nicht. Die Tür ging auf – ihre Seele strömte vor ihr her. Wer kommt hier? dachte ich. Und ich liebte diese Frau, die im Begriffe stand, über die Schwelle zu treten, bevor ich sie überhaupt sah. Es ist mir heute noch rätselhaft!“

Blank sollte in Köln gastieren. Sie begleitete ihn. Er sang „um Rosa“. Er gefiel, zweijähriger Kontrakt, auch Ellen wurde engagiert. Sie heirateten auf Grund dieses Engagements. Drei Jahre hier, zwei Jahre dort, in kleineren und größeren Provinzstädten – ein Nomadendasein, fröhlich und heiter ertragen, obwohl voller Sorgen. Plötzlich aber ging es in die Höhe: München, Mannheim, endlich Dresden! Blank hatte den Gipfel erreicht. Das Dasein der beiden war ohne Sorgen – einen Pelzmantel mit Bärenkragen trug Blank, wie er sagte. Sie reisten im Sommer nach der Schweiz, ans Meer.

„Nie gab es wohl zwei glücklichere Menschen als uns beide! Ein Kreis prächtiger Freunde, immer Blumen in den Zimmern, und ein Heim, das widerhallte von der herrlichsten Musik! Der und der spielte Cello, der und der Geige, der und der den Flügel – erste Künstler, die in der ganzen Welt konzertierten. Berühmte Dirigenten aßen bei uns zu Abend. Und Rosa im Mittelpunkt, Rosa umschwärmt, bewundert, geliebt ...“

In Dresden aber holte Blank das Geschick ein. Eine Erkältung, wenig beachtet. Eine Wucherung an den Stimmbändern. Blanks Laufbahn als Sänger war besiegelt. Ellen dagegen spielte noch, sie erhielt ihn Jahre hindurch. Kuren, Ärzte. Der Niedergang begann. Schließlich erkrankte auch Ellen, die Lunge. Das war das Ende.

Furchtbarer Sturz in das tiefste Elend. Auch Blank wurde brustkrank.

„Wir liefen um die Wette nach dem Tode, Rosa und ich. Sie hat das Ziel zuerst erreicht, aber ich bin nicht weit hinter ihr.“

Gestorben an der Schwindsucht, zwei Menschen trugen sie zu Grabe ...

„Arme Ellen!“ sagte Schwedenklee und legte das Bild zurück in das Schubfach.

Er war in solch melancholische Stimmung geraten, daß er, was selten vorkam, schon am Nachmittag das Stammcafé aufsuchte.

Hier saß er an einem kleinen Marmortisch und sah lustlos zu, wie der Rechtsanwalt Cohnstamm mit dem Polizeileutnant Hammerstein eine Cadrepartie auf dem Matchbillard ausfocht. Er war wortkarg und zerstreut, trank ohne Genuß seine Tasse Kaffee. Der Rechtsanwalt erbat seinen Rat bei einer schwierigen Stellung. Sprang Schwedenklee auf, wie es sonst seine Art war, um sein Licht leuchten zu lassen? Er zuckte gleichgültig die Achseln.