„Ist es möglich? Für mich diese Mühe! Nie werde ich Ihnen das vergessen.“ Und wieder drückte er Schwedenklees beide Hände, während er bemüht war, seine Ergriffenheit zu verbergen. Lebhaft fuhr er fort: „Ich weiß ja wohl, daß Sie ein Künstler im Arrangement von Festen sind! Rosa erzählte mir, daß Sie ihr einst in Paris – Himmel, daß ich Sie nicht belauschen konnte! – ein Abendessen gaben, mit Dutzenden von Kerzen, deren Glanz sich in geschickt aufgestellten Spiegeln verhundertfachte. Vielleicht erinnern Sie sich noch? Ja, Sie erinnern sich – ich sehe es –“

„Sonderbar, gerade dieser Tage –“

„Verzeihen Sie mir, ich sehe, daß es Ihnen nicht angenehm ist, an vergangene Zeiten erinnert zu werden. Ich muß Sie um Nachsicht bitten, wenn ich im Laufe des Abends dann und wann auf das Vergangene zurückkomme. Ich fürchte, ich kann nicht anders, denn gerade die Qual, die ich bei jeder Erinnerung empfinde, ist mir eine Wollust. Ich darf Ihnen wohl sagen, daß Rosa mir alles aus ihrem Leben erzählte, jede Einzelheit. Ich bitte auch, obschon es unnötig genug erscheint, erklären zu dürfen, daß nicht das geringste Arg gegen Sie in meinem Herzen ist. Wie sollte es auch? Einmal war ich ja sehr eifersüchtig auf Sie“ – Blank lächelte schmerzlich – „furchtbar eifersüchtig, ich gestehe es Ihnen offen. Ich haßte Sie, Sie ahnen nicht, wie ich Sie haßte.“ Blank errötete und seine dunkeln Augen glühten – allein bei der Erinnerung an diesen Haß.

„Ich begreife nicht, weshalb haßten Sie mich?“

„So wahnsinnig hatte mich die Eifersucht gemacht. Ich hatte natürlich nicht den geringsten Grund. Nun, es ist lange her – zwanzig Jahre. Heute empfinde ich für Sie nur Freundschaft und Zuneigung, ohne zu erwarten, daß Sie meine Gefühle erwidern. Darf ich dieses Glas auf Ihre Gesundheit leeren?“

Mit einem tiefen, wunderbar warmen Blick der dunkeln Augen und einem schönen Lächeln des verwüsteten Gesichts hob Blank das Glas ins Licht.

„Wenn jemand hier Ursache hätte, böse zu sein,“ fuhr er mit großer Lebhaftigkeit, leise lächelnd, fort, „so wären ja wohl Sie es!“

„Ich? Aber, ich bitte –“

„Gewiß, Sie! Denn ich war es ja, der Ihnen diese wundervolle Frau entfremdete – in einer Zeit, da sie noch sehr an Ihnen hing.“

Schwedenklee hob verwundert den Blick vom Teller. „Noch an mir hing?“ fragte er, errötend und geschmeichelt.