„Jeder Mensch kann einmal eine unglückliche Periode –“ murmelte Schwedenklee.
„Einen Bettler, sage ich, was bin ich sonst? Sie verkehren mit einem vom Unglück Gezeichneten auf gleich und gleich – unterbrechen Sie mich nicht – wer tut das noch? Es ist das Alleraußergewöhnlichste in der heutigen Gesellschaft! Sie bewirten einen Mann, der gewissermaßen an einem Wendepunkt Ihres Lebens als Ihr Rivale auftrat. Wie gut Rosa Sie doch kannte! Sie kennen keine Vorurteile, keine kleinlichen Gefühle.“
„Ich bitte!“ stammelte Schwedenklee, aufs tiefste beschämt. Nichts ist ja peinlicher, dachte er, als derartige Lobeshymnen anhören zu müssen. Mein Himmel, diese liebe Ellen, was für Vorstellungen sie wohl von mir gehabt haben mag!
„Dieses Glas dem Gedächtnis Rosas!“ sagte Blank feierlich nach dem dritten Glase und ließ den Wein im Licht funkeln. Obschon den Tod im Antlitz, sah er schön aus in diesem Augenblick. Später, wenn Schwedenklee sich an den Abend erinnerte, sah er Blank immer in dieser Geste vor sich.
Schwedenklee tat ihm Bescheid.
Aber Blank erhob sich vom Sitze, und so konnte auch Schwedenklee, dem jede Exaltiertheit ein Greuel war, nicht sitzenbleiben. Wenn er nur diese theatralischen Manieren sein ließe, dachte er, tief unglücklich.
Lange verharrte Blank in Schweigen und Versunkenheit. Aber seine Augen, ohne Blick auf einen Stich an der Wand gerichtet, leuchteten verklärt.
Augusta servierte mit verdrossener Miene den Nachtisch.
Plötzlich fühlte Schwedenklee Blanks Auge auf sich gerichtet. Er hob die Lider und begegnete einem forschenden, sonderbar und befremdend forschenden, grübelnden, bohrenden Blick, dessen Ausdruck sich indessen augenblicklich änderte.