Als man bei Kaffee und Likören in der Bibliothek saß, hatte Blank sich vollkommen wiedergefunden. Man plauderte über Theater, Oper, Bühnenkünstler, Dirigenten, und Blank wußte anregend zu erzählen. Der Name Rosa-Ellen fiel nicht mehr.
Schließlich erhob sich Blank und ging an den Flügel.
„Einmal noch wollen wir es versuchen!“ sagte er, und seine langen blassen Finger glitten scheu und zögernd, als fehle ihm der richtige Mut, über die Tasten.
Großer Ernst war über sein weißes Antlitz gebreitet. Er sang. Eine italienische Romanze, schwermütig, mit Anläufen der Hoffnung, zuweilen geheuchelt heiter. Schwedenklee verstand nicht ganz den Text.
Blanks Stimme klang anfangs heiser und kraftlos, bald aber leuchteten einzelne Töne klar und hell auf, und schließlich floß die Stimme groß und gleichmäßig dahin. Mit Inbrunst, erschüttert sang Blank, und seine Augen füllten sich mit Tränen.
Welch herrliche Stimme er gehabt haben muß, dachte Schwedenklee, der sich bedrückt in eine Ecke zurückgezogen hatte.
Da machte ein hartnäckiger Hustenanfall Blanks Gesang ein Ende. Er führte das Taschentuch an die Lippen.
Entmutigt und still erhob sich Blank, den Blick zu Boden gerichtet.
Er reichte Schwedenklee die Hand.
„Leben Sie nun wohl, Herr Schwedenklee, und Dank für diesen Abend!“ sagte er und wandte die glänzenden Augen Schwedenklee zu.