Er empfahl Sparsamkeit, die wahre Trauer zeige sich nicht in Äußerlichkeiten. Er, für seine Person, würde zum Beispiel gern mit einer einfachen Holzkiste zufrieden sein – er würde sie einem der entsetzlichen Särge sogar vorziehen! Überhaupt mache man zu große Scherereien mit Verstorbenen, die ja nur den einen Wunsch hätten, daß man sie in Ruhe lasse.
Nelly nannte ihn herzlos. „Natürlich,“ rief sie aus, „du hast ein herrliches Leben genossen, was kümmert es dich, wenn du in einer billigen Kiste begraben wirst? Aber Leute, denen es kümmerlich ging im Leben, wollen wenigstens als Tote einigermaßen wohlhabend erscheinen. Aber das wirst du nie begreifen.“
Immer wurde Nelly sofort ausfallend!
Um es gleich zu sagen: die ganze Sache mit der verstorbenen Tante war eine Lüge. Nelly fuhr nach Lübeck, das ist wahr. Sie erschien nach etwa einer Woche wieder, in ihrem schwarzen Trauerkostüm, das die Blässe ihres Gesichtes herrlich hervorhob, kokettierte sie nach allen Seiten – später aber verplapperte sie sich. Es kam an den Tag, und sie gestand: es war ein Einfall von ihr, dem sie nicht widerstehen konnte.
Schwedenklee war verstimmt und zog sich zurück. Das ging denn doch zu weit. Und dazu hatte Nelly richtig geweint, aus Schmerz über den Tod einer Tante, die gar nicht existierte. Diese Frauen waren wirklich ein Rätsel!
„Nein, nein,“ sagte Schwedenklee zu sich, „dir kann man ja schon alles aufbinden!“ Seine Eitelkeit war tief verletzt.
Aber Nelly hatte ihre Vorzüge, ohne Zweifel. So war sie, zum Beispiel, sehr leidenschaftlich. Sie zitterte, wenn man sie nur mit den Lippen berührte. Aber vielleicht ist auch das nur Komödie? dachte Schwedenklee, unsicher geworden. Man weiß wirklich nicht mehr, woran man bei diesen Frauen ist!
Sodann war Nelly interessant! Ihr Teint war bleich, und je näher man sie betrachtete, desto bleicher erschien ihr Teint. Sie hatte kleine rötliche Sommersprossen, die den Teint noch durchsichtiger erscheinen ließen. Sie hatte scharfe, helle Vogelaugen, die Brauen wuchsen leicht zusammen, und wenn man sie ganz nahe betrachtete, erschien ihr Gesicht in der Tat fast gespenstisch.
Nelly verstand es, sich zu kleiden – mit nichts! Mit nichts täuschte sie den Luxus einer reichen Ausländerin vor. Man nahm an, daß Schwedenklee Tausende für sie ausgab. Das schmeichelte Schwedenklees Eitelkeit immerhin.
Nelly verstand es, sich zu benehmen. Man konnte mit ihr getrost in ersten Hotels dinieren – die Kellner wichen ersterbend zurück. Ein Lächeln von ihr entzückte den Direktor, die Herren verdrehten die Hälse. (Und doch war sie nur Buchhalterin in einem Herrenschneidergeschäft!) Wie sie ihren Fuß setzte – das allein war ein Roman!