Aber was zuviel ist, ist zuviel. Schwedenklee zog sich zurück. Er erkaltete. Aus purer Bosheit reiste er nach Lübeck – zu Studienzwecken – und sandte ihr eine Ansichtskarte.
Als er zurückkehrte, fand er einen kurzen, aber zu seiner größten Verwunderung herzlich und warm gehaltenen Brief von Nelly vor. Dazu ein Paar antiker goldener Ohrringe, die er ihr geschenkt hatte.
Schwedenklee war beschämt. Er hatte kaum den Mantel abgeworfen, so schrieb er Nelly schon einen langen Brief. „Das mit den Ohrringen würde er ihr nie verzeihen!“
Am nächsten Tage schon kam Nelly. Sie stürzte in seine Arme und biß ihn so stark in die Wange, daß man tagelang ihre Zähne sah. „Das zur Strafe!“ sagte sie. Nach Tisch begann sie plötzlich zu singen – nun, kurz und gut, es stellte sich heraus, daß man während seiner Abwesenheit ihre Stimme entdeckt hatte! Sie wollte sich ausbilden lassen. Sie war in größter freudiger Erregung. In Wirklichkeit, Nelly hatte eine kräftige, wenn auch etwas grelle Stimme.
„Du hast jene unerklärliche Nebenschwingung in der Stimme,“ sagte Schwedenklee sachverständig, „jenes Timbre, das nur große Sängerinnen haben, dazu hat deine Stimme Umfang. Du hast auch die bezeichnende, etwas belegte Sprechstimme – weiß Gott, wieso ich deine Stimme nicht früher erkannte.“
„Weil du kein wirkliches Interesse für mich hast!“
Schwedenklee tat gekränkt. Die Versöhnung war vollständig. Schon in den nächsten Tagen lud Schwedenklee den Bassisten von der Oper – mit dem er zuweilen Schach spielte – zu sich zum Abendessen. Er sollte sein Urteil abgeben.
Wiederum hatte Augusta sich alle Mühe gegeben. Sie liebte Nelly, denn Nelly lief immer in die Küche, umarmte Augusta, die von der Hitze des Herdes schwitzte, und küßte sie sogar auf die Backe.
Der Bassist aß mit vorzüglichem Appetit und trank ganz allein eine Flasche teuren Rheinwein. Dann sang Nelly zu Schwedenklees Begleitung.
„Herrlich, wunderbar!“ schrie der Bassist begeistert und klatschte mit den fetten Händen. „Die Patti, die Hempel, die Farrar – in zwei Jahren werden Sie in Neuyork singen!“