„Siehst du?“ sagte Nelly mit einem triumphierenden Blick.
Man schmiedete Pläne, entwarf Programme, wählte Lehrer, der Bassist bot sich für die stimmtechnische Ausbildung an. Und zwar ohne jegliches Honorar! Aber Schwedenklee protestierte energisch und erklärte Schwarz klipp und klar, daß er ihm Nellys Ausbildung nur dann anvertrauen würde, wenn der Sänger sie zu seinen gewohnten Bedingungen als Schülerin annehmen würde. In die Ecke gedrängt, willigte Schwarz endlich ein. Schwedenklee war in gehobener Laune und holte neuen Wein aus seinem Geheimschrank.
Nelly hauchte ihm in einer Sekunde zehn kleine verliebte Küsse auf die Glatze. Es blieb alles beim alten. Trotzdem – die Sache mit der Tante konnte Schwedenklee nie ganz vergessen.
Es wurde schon heiß. Die Kartentische leerten sich langsam. Die Rechtsanwälte, Ärzte, Kaufleute fuhren mit ihren Familien aufs Land. Nur in dieser Zeit wurde man plötzlich gewahr, daß fast alle Stammgäste und Spieler Familienväter waren. Gewöhnlich hielt man sie für Junggesellen ohne jegliche Verpflichtungen.
Schwedenklee reiste mit Nelly auf vier Wochen nach Heringsdorf. Der Bassist Schwarz – der die stimmtechnische Ausbildung übernommen hatte – begleitete sie. Schwedenklee hatte ein kleines Gut an der Ostsee, und Nelly, der er zuweilen von dem Landgut vorgeschwärmt hatte, wollte zuerst dort den Urlaub verbringen. Sie träumte von Hühnern, Schweinen, Leiterwagenpartien. Aber Schwedenklee setzte plötzlich die Besitzung herab – das Haus sei feucht! Die Kinder des Pächters hätten Diphtheritis! Aus irgendeinem Grunde – das fühlte Nelly – wollte er sie nicht in „Siebenbirken“ haben.
Aber sie tröstete sich schließlich mit Heringsdorf. Sie brachte ein halbes Dutzend von Badekostümen mit, die Aufsehen erregten, so kühn waren sie. Und woraus waren sie gemacht? Aus nichts!
Nelly feierte Triumphe. Nach drei Tagen schon war sie eine der bekanntesten Erscheinungen in Heringsdorf. Man beneidete Schwedenklee um diese Frau, er fühlte es deutlich. (Und doch war sie nur Buchhalterin in einem Herrenschneidergeschäft!)
Die stimmtechnische Ausbildung nahm ziemlich viele Stunden des Tages in Anspruch. Es gab sogar kleine Eifersuchtsszenen, obschon es Schwedenklees oberstes Prinzip war, nie zu zeigen, daß ihm eine Frau so viel wert war, daß er eifersüchtig werden könnte. „Denn dann“, pflegte er zu sagen, „bist du verloren, mein Sohn!“
Es war ja selbstverständlich, daß Schwedenklee die Hotelrechnungen des Bassisten bezahlte – sonstige Honorare forderte Schwarz während des Badeaufenthalts nicht. Er tat es aus Begeisterung für Nellys Stimme.
Nun, Gott sei Dank, auch diese Wochen gingen vorüber, und nun saß Nelly wieder – duftend, wie aus dem Ei geschält – in der Herrenschneiderei.