Er bezahlte die Stunden bei Schwarz, wöchentlich vier, und diese Sänger hatten ja unerhörte Honorare! Neuerdings kam dazu der dramatische Unterricht, und er hatte herausgefunden, daß Nelly mindestens die Hälfte der Stunden zuviel notieren ließ. So viel freie Zeit erlaubte ihr ja ihre Stellung in der Schneiderei gar nicht!

Überdies mißfiel ihm das Verhältnis zwischen Schwarz und Nelly. Es schien eine etwas sonderbare Vertraulichkeit angenommen zu haben. Er hatte einmal einen kleinen, gänzlich unscheinbaren Blick zwischen den beiden aufgefangen. Nun, er, Schwedenklee, war kein heuriger Hase, er wußte genau, zu genau, was solch ein Blick unter Umständen bedeuten konnte! Er behandelte den Sänger um einige Grade kühler.

„Ich habe den Eindruck,“ sagte der Bassist mit gekränkter Miene, „daß Ihnen meine Honorare zu hoch sind?“

„Ihre Honorare? Aber ich bitte Sie, Verehrtester, ich wünsche doch nicht, daß Sie mir besondere Preise machen. Mißverstehen Sie mich nicht – die Ausgaben für Nellys Ausbildung im allgemeinen ...“

„Aber ich bitte Sie, Verehrtester – für solch eine Stimme!“

„Zugegeben! Aber Sie ahnen nicht, welche Beträge ich monatlich zu bezahlen habe. Jetzt taucht schon die Frage der Kostüme auf ...“

„Gut.“ Der Bassist bearbeitete mit der Kreide kunstgerecht das Leder des Billardqueues – die Unterredung fand im Billardsaal des Cafés statt – „Ich werde also künftighin kein Honorar mehr fordern. Ich unterrichte aus Interesse für diese ungewöhnliche Begabung.“

Schwedenklee protestierte mit großer Beredsamkeit. Unmöglich konnte er diesen Vorschlag annehmen, ganz unmöglich! Er geriet sogar in Erregung. Alles blieb beim alten.

Schließlich aber hat alles seine Grenzen, dachte Schwedenklee, während er sorgfältig mit der Spitze des kunstvoll aufgestützten Queues nach dem Ball zielte.

Der Winter war lau. Nebel, Dunst, Regen. Nur dann und wann lag schwarzer Schnee auf den Dächern. Im Februar aber setzte plötzlich eine solch grimmige Kälte ein, daß die Dampfheizung nicht mehr genügte. Schwedenklee mußte seinen elektrischen Ofen zu Hilfe nehmen, um nicht zu frieren. Nichts haßte er mehr als Kälte.