Die Büste stand nun in einer Laube weißer Rosen, bleicher, keuscher, sehnsüchtiger als diese. Rosen lagen auf der Schulter, vor ihr auf dem Teppiche, aus einer kleinen Schale stieg der Rauch duftender Kräuter empor, ein dünner Faden, der oben einen sich drehenden Kelch bildete. Die Lampe war in gelbes Seidenpapier gehüllt und sah aus wie ein Stern, der werden will.

Es war schön! Ach, ihr hättet es sehen müssen!

„Bianka!“ jubelte Ginstermann. „Bianka!“

Allerdings hätte man es sich noch viel, viel herrlicher denken können. Eine Laube aus weißen Rosen mit goldenem Himmel zwischen den Ranken, wie auf den Gemälden der alten Meister. Und ganz aus der Ferne die Stimme einer Geige. Einer einzigen Geige, leise und süß, eine Melodie, die er in sich hatte, schüchtern anbetend, verschämt sehnsüchtig.

Und in den Pausen dieser ewigen Melodie hätten die Stimmen von Jungfrauen jauchzen müssen, so unendlich ferne und verweht vom Schwingen grüner Palmzweige.

Ergriffenheit bemächtigte sich seiner, er breitete die Hand über die Augen, als ob er weinen müsse.

Bianka blickte ihn an. Ihre Augen bekamen Farbe und Ausdruck, während das Gesicht bleich und still blieb. Sie zürnten ihm nicht wegen des Frevels, zu dem ihn seine Liebe verleitete. Sie blickten mild und gut.

Dieser Abend war eine einzige Köstlichkeit.

Seine Träume in dieser Nacht waren noch erfüllt davon. Bianka schwebte durch sie, bald mild lächelnd, bald stolz fliehend.

Er saß auf einem Sterne, weit ab von der Sonne, die Sonne erschien wie ein winziger Funke. Bläuliches Licht um ihn. Er hatte aus den anderen Sternen Biankas Namen gebildet, der sich flimmernd durch den Raum spannte, wie eine silberne Brücke. Er saß und schluchzte. Weshalb schluchzte er? Er wußte es nicht. Da strich etwas über seine Haare, ein Gewand flüsterte, das war Bianka. Er sah sie nicht, aber er wußte, daß sie es gewesen.