„Bis an die weiße Pforte.“ — —
Die nächsten Tage verbrachte Ginstermann mit Arbeit. Es hieß, sich nun verzweifelt einzuschränken. Für die wenigen Gegenstände, die er verkaufen hatte können, war ihm lächerlich wenig geboten worden. Er war auf Viertelkost gesetzt. Aber das kümmerte ihn herzlich wenig. Die Not hatte für ihn nichts Furchterweckendes mehr; Gewohnheit und sein momentaner Gemütszustand ließen sie ihn als eine Freundin betrachten, eine alte Bekannte, mit der man Scherze treibt. Schmerzlich war nur der Umstand, daß er jetzt seine Blumenopfer unterlassen mußte, und wenn er nun arbeitete, geschah es weniger in der Absicht, Brot zu schaffen, als vielmehr Blüten erwerben zu können.
In der ersten Zeit ging es nur langsam vorwärts, sein Geist war der Disziplin entwöhnt; aber dann hatte er eine Menge glücklicher Einfälle, und es gelang ihm noch in derselben Woche, eine satirische Plauderei loszubringen. Für die Hälfte des Honorars kaufte er Blumen, die er mit glückseligem Jauchzen über sein Heiligstes streute.
Er war stets guten Mutes.
In den Pausen seiner Arbeit stand er in Betrachtung der Büste versunken. Dann verfiel er auf den Gedanken, Briefe an Bianka zu schreiben, die er natürlich nicht absandte.
Es waren Briefe, die nur er verstand, sonst niemand. Sie jauchzten und jubilierten, sie stammelten vor Glück. Hymnen nannte er sie, Hymnen an Bianka. Nie sollte ein Mensch sie zu lesen bekommen, er nahm sich vor, sie zu verbrennen — bei Gelegenheit.
Tage gingen. Regen kam.
Regen. Unaufhörlich klopfte er an die Scheiben.
Dieser kleine Umstand genügte, Ginstermanns Stimmung zu verändern.
Sein Zimmer erschien ihm eng, ein Käfig, ein Kerker. Es war ihm, als habe die Zeit ihn vergessen, als lebe er allein auf dem Planeten, während alles schon schlief.