Und dann diese Stille, diese Einsamkeit. Diese beängstigende Stille, die schwerer und schwerer wurde und ihn zu erdrücken drohte. Diese Einsamkeit, in die Rufe und Poltern der Straße wie Hohn drangen.
Sah er die Büste stehen, die er nur geschmückt gewohnt war, so verursachte ihm dies ungeheure Qual. Er trat davor und sagte, schmerzlich lächelnd:
„Das Schiff mit Gold muß jeden Tag eintreffen.“
Wie alle Einsamen, sprach er viel laut vor sich hin. In letzter Zeit jedoch geschah es häufiger denn gewöhnlich, und er gefiel sich in den absonderlichsten Bildern.
Eines Tages nun kam der Briefbote und brachte ihm einen Wertbrief mit fünfhundert Mark.
Er riß, schwindelig vor Glück, das Kuvert auf und schlug auf den Tisch, um sich zu überzeugen, daß es keine Sinnentäuschung war. Es lagen fünf Hundertmarkscheine darin. Ein Brief seines Verlegers, er solle ihm das Geld übermitteln.
Ginstermann warf die Scheine auf den Tisch und ging mit geballten Fäusten umher.
„Welcher Schuft will mir eine moralische Schuld mit Geld bezahlen!“ rief er aus. Irgend so etwas stak dahinter. Er witterte es. Oder wer sonst sollte ihm das Geld zuschicken? Er kannte niemanden. Er dachte an Bianka, schämte sich aber augenblicklich, er dachte an Fräulein Scholl, lachte aber darüber. Diese Dame lebte in dem holden Wahne, ein Dichter schwimme in Gold. Faktisch!
Eine ungeheure Wut gegen den Unbekannten, der seinen Stolz bestechen wollte, packte ihn.
Dann hielt er den Schritt an, und er fühlte, wie sein Herz stille stand und jeder Tropfen Blutes aus seinem Gesichte wich.