„Im Tempel des Lebens ist die Sonne der Strahl der Kerzen und frische Luft Weihrauch!“ jauchzte er pathetisch.
Der Duft von Veilchen, die er mitgebracht, erfüllte das Gemach. Das ganze Haus stand gleichsam in einem blühenden Garten. Ein bescheidener Schmuck lagen sie auf der schneeweißen Schulter, ihr wunderholdes Blütenantlitz an Hals und Brust Biankas schmiegend.
Weshalb hatte sie ihm nicht geschrieben?
Nun wußte er es, und er wußte es doch nicht.
Sie hatte gesagt: „Oft dachte ich daran, Sie zu einem kurzen Spaziergang aufzufordern, aber ich unterließ es stets. Ich weiß nicht, weshalb.“
Er war durch die Straßen gegangen, als er plötzlich seinen Namen hörte. Er sah sich um, er sah hinüber: Fräulein Schuhmacher stand drüben, und Fräulein Scholl und Fräulein Bijou waren auch dabei.
Eine ganze Stunde hatten sie zusammen gebummelt. Sie hatten Einkäufe gemacht für die Reise. Die Mädchen waren in die Magazine getreten, und er hatte sich die Auslagen betrachtet und sie stets, wenn sie zurückkamen, gefragt, was sie Schönes gekauft hätten. Einmal war er sogar mit in das Geschäft eingetreten. Es sollte eine Aschenschale für den Bruder, den Offizier in Berlin, gekauft werden. Obgleich er Bianka ein feines Verständnis zutraute, hatten ihn doch ihre Sicherheit und ihr reifer Geschmack verblüfft. Sie prüfte Stück um Stück, und er sah stets an ihrem Blicke, was ihr an der Arbeit mißfiel. Endlich entschied sie sich für die einfachste Schale, die zu finden war. Keine Figur, keine augenfällige Originalität, eine vornehme Form, ein paar sprechende Linien. Er sah erst jetzt, wie schön die Schale tatsächlich war.
Die kleine Scholl meinte allerdings, die Schale sei langweilig und geschmacklos.
Bianka würde in vierzehn Tagen abreisen. Wenn es der Zustand der Mama erlaubte, vorausgesetzt. Einige Zeit würden sie in Montreux zubringen, dann für immer nach Nizza übersiedeln. Ihr Vater wollte in Nizza eine Villa kaufen.