Wie hatte Kapelli das fertig gebracht? War er ein Seelenseher?
Ein Zweig granatroter Blüten lag vor der Büste. Er hatte sie heute morgen gekauft. Sie hatten ein Vermögen gekostet, ein Landgut sozusagen, eine Domäne, aber er kaufte sie. Es waren indische Blüten mit einem wunderbaren Namen. Der Zauberer, bei dem er sie erstand, hatte ihn genannt. Er war so weich, so duftend, alle Märchen aus Tausendundeiner Nacht barg dieser Name.
Er stand auf und trat vor die Büste.
Tränen traten in seine Augen. Es war, als schluchze es in ihm. Sein Herz quoll über. Er war nicht mehr eins, sein Wesen löste sich auf in tausend Teilchen, die ihr alle dienten, sie anbeteten. Tausend Lippen flüsterten lautlos ihren Namen.
O, wie liebte er sie! O, was hatte er ihr alles zu danken!
Er flüsterte etwas. Es war keine Sprache, die die Menschen reden. Es waren Laute, die aus seinem Innersten kamen.
„Ava — ava“, flüsterte er.
Er wußte nicht, was es hieß, aber in die Sprache des Pöbels übertragen, bedeutete es vielleicht: ich liebe dich!
Nach langer Weile erst ließ ihn dieser Bann los.
„Adieu“, sagte er leise und begab sich wiederum an den Tisch zurück. —