Fräulein Schuhmacher streifte ihn mit einem Blicke, wie um die Gedanken zu erraten, die er ihnen vorenthielt.
Fräulein Scholl wohnte in der Schackstraße. Sie begleiteten sie bis zur Türe, dann gingen sie weiter. Die Leopoldstraße hinunter.
Sie gingen nun allein.
Mit der Entfernung der Freundin war die Last auf Ginstermanns Seele um das Doppelte gewachsen.
Seine Verwirrung steigerte sich, und er fühlte, wie er die Herrschaft über seine Gedanken verlor. Vergebens strengte er sich an, seine Gefühle zu entwirren. Er empfand wiederum den schwindelartigen Zustand, der ihn ergriff, als er aufstand, um den Damen seine Begleitung anzubieten. Gewohnt, immer Herr der Situation und seiner selbst zu sein, empfand er ihn als eine demütigende Peinigung. Es war ihm, als habe man ihn in eine Narkose versetzt, gegen die sich seine halbbetäubten Sinne erfolglos sträubten.
Gleichsam ohne selbständigen Willen schritt er neben diesem Weibe einher. Einem Trabanten ähnlich, der in die Bahn eines mächtigen Sternes geriet. Die Seele dieses Weibes hatte sich der seinigen bemächtigt und lockte ihn mit der Gewalt ihres Rätsels.
Diese Situation, das Schweigen, aus dem man heraushören konnte, was man wollte, wurde ihm unerträglich.
Er richtete sich auf, steckte die Hände in die Manteltaschen, bemüht, sich vor sich selbst das Aussehen eines gleichgültigen Menschen zu geben.
Er hörte ihre Schritte über den Boden gleiten, ihre Kleider rauschen, er bemerkte jede Bewegung ihres Kopfes, ihrer Hand, ohne jedoch sein volles Bewußtsein zurückfinden.