Da ist ein Mann, der sitzt auf einer einsamen Bank im Park. Ein Vogel flötet im Gebüsch. Und dieser Mann spricht mit jemandem, der nicht da ist. Du hättest es sehen müssen, Beste, sahst du’s mir nicht an den Augen an. O, was fieberte ich, nun ist es vorbei, Beste, nun ist ja alles gut.
Niemand darf es wissen, niemand! —
Zuweilen jedoch überfiel ihn ein Zustand vollkommenster Gleichgültigkeit.
Es kam ihm unsinnig vor, daß er jenes Mädchen im Englischen Garten spazieren führte, daß er sich überhaupt durch sie aus dem Gleichgewichte hatte bringen lassen. Weshalb liebst du sie eigentlich, fragte er sich. Sie ist hübsch, ihre Sprache ist melodisch, ihr Gang ist aristokratisch, das alles hat dich bestochen. Ihre weißen Elfenbeinhände mit. Aber ist sie auch die, die du in ihr anbetest? Ist es nicht das Ideal des Weibes überhaupt, das du dir gebildet hast, was du in ihr anbetest? Sie ist es gar nicht. Deine Liebe gilt ihr gar nicht. Vielleicht einer in Australien, irgendwo. Und das, was du rein an ihr nennst, keusch, was ist das eigentlich? Es ist Indolenz, sonst nichts. Oder was sollte es sonst sein? Mit Fischblut in den Adern hat man es leicht, sich rein zu halten, mein Freund. Und dieses hübsche, elegante Mädchen hat dich bezwungen? Was bist du nun? Du bist zum Objekt geworden, o, Schmach über dich! Groß warst du einst und ein Herrlicher in deiner Einsamkeit. Lache doch über dich, wenn du nicht ehrlich genug bist, um über dich zu weinen. Was war dein Ziel? Herrschen will ich und sie alle zu meinen Füßen wissen. O, mein Held, mein tapfrer, kühner Held! Heil dir! —
So dachte er auch einst, als er neben Bianka ging. Und diese Anschauung gab ihm ein Lachen, ein kurzes höhnisches Lachen. Da zuckte sie zusammen. Er war unglücklich, ihr wehe getan zu haben und maskierte sein Benehmen so gut als es ging. —
Diese Stimmungen waren nur von kurzer Dauer. Dann überfiel ihn wieder jene namenlose Sehnsucht und Qual, die wie lohende Flammen über ihm zusammenschlug und ihn verbrannte.
Er bat sie um etwas Liebe, nur etwas Liebe sollte sie ihm geben, für all seine Glut nur einen kleinen winzigen Tropfen.
Keinen winzigen Tropfen? Keinen winzigen Tropfen?
Es war hart für einen Mann seines Stolzes, so demütig zu lieben!
Wieder und wieder träumte er von einem Glücke, das nie werden würde. Sie lebten in einem Hause abseits der Straße. Er kannte es ganz genau, dieses Haus, das Gärtchen davor, alles. O, in diesem Hause lebten glückliche Leute. Alle nichtssagenden Details, alle harmlosen Kleinigkeiten eines Lebens zu zweien durchlebte er. Er lag des Nachts neben ihr auf dem Lager und koste sachte die Haare der Schlafenden. Er schlich sich fort, um Mohn zu holen, den sie so sehr liebte, und legte ihn ihr auf die Decke, damit sie ihn beim Erwachen finde. Er löste ihr die Schuhe und küßte in Demut ihren Fuß. Er saß mit ihr auf dem Rasen und las vor, was er geschrieben hatte.