So oft es anging, versuchte er Fräulein Scholl zu treffen. Sie hatte dreimal in der Woche Violinstunde, das war sehr günstig. Er wartete auf sie, schwätzte mit ihr, ausschließlich von dem Verlangen beseelt, irgend etwas von Bianka zu hören, einige Worte sprechen zu können über sie, ihren Namen von den Lippen der Freundin zu vernehmen.

Einmal traf er im Hausflur ein Kind, ein Mädchen, schmächtig, zart, mit blonden Haaren und klaren Augen, die denen Biankas glichen.

„Wie heißt Du?“ fragte er die Kleine, bemüht, sie für sich zu stimmen.

„Camilla.“

Könntest du nicht Bianka sein, dachte er. Bianka ein Kind und ich ein Kind, und wir beide Gespielen. Unsere Gärten, die stießen zusammen und im Zaun da wäre ein Loch. Wir schlüpften hin und her, zwitscherten zusammen wie Vögelein.

Und dann — und dann — —

Weshalb war das Leben so grausam, so geizig mit seinen Freuden, so karg. All das dachte er, während er bei dem Kinde kniete.

„Nun wollen wir uns etwas kaufen“, sagte er zu ihm und lächelte. „Komm!“

Dieses Kind liebte er. Weil es Biankas klare Augen hatte, Augen ohne Grund, von einer Tiefe, aus der es flüsterte, die alles in sich hineinzog.

Camilla wohnte in seinem Hause, das war gut. Er schmeichelte sich mit Süßigkeiten und Märchen ein bei dem Kinde, so daß es schließlich von selbst auf sein Zimmer kam.