Er lächelte. „Nein, Süße, Heiner ist nicht böse — Heiner ist — Heiner ist — o, geh heute, Schätzlein — morgen, gelt. Heiner ist heute — geh, Schätzlein“ — —
Bianka ahnte von all dem nichts. Wie sollte sie auch? In ihrer Nähe war er ruhig, beherrscht. Und gesprochen hatte er noch keine Silbe, woraus sie es hätte entnehmen können.
Er gehörte zur Klasse jener Menschen, die innerlich verbluten und doch lächelnd sagen: ich verspüre nichts.
Er erinnerte sich daran, daß er als Knabe am längsten seinen Finger über eine brennende Kerze gehalten, wenn sie „Spartaner“ spielten, oder daß er jeden im „indischen Duell“, wie sie die Austragung ihrer Ehrenhändel nannten, besiegte, weil keiner drei Tropfen glühenden Siegellacks ohne Zucken der Hand ertrug.
Er wußte, er würde schweigen und wenn er sich die Energie an den Gehirnwänden abschaben müßte.
Er hatte nicht das Recht, ihr von seiner Liebe zu reden, weil er nicht mehr rein war.
Diese fortwährenden Seelenkämpfe drückten seinem Gesicht ihre Spuren auf. Er war bleich, um seinen Mund zuckte ein krampfhaft schmerzliches Lächeln. Seine Augen waren größer geworden — so schien es ihm — ein düsteres Feuer brannte auf ihrem Grunde. Sah er sich im Spiegel, so war es ihm, als blicke ihn ein Fremder an, einer, der unheimliche Dinge in seinen Augen hatte.
Die Menschen mit den heißen Herzen, schrieb er in sein Tagebuch, sind nicht gut daran. Alle Menschen wollen sie lieben und von allen Menschen geliebt werden. Wer aber liebt sie?
XIV.
Eines Nachmittags, gegen sechs Uhr, empfing Ginstermann den Besuch einer Dame, die er schon irgendwo gesehen hatte.